Die christdemokratische EVP-Fraktion hat Roberta Metsola zur Kandidatin für das Amt der Präsidentin des Europäischen Parlaments gewählt. Metsola setzte sich in der ersten Abstimmungsrunde mit Zweidrittelmehrheit gegen ihre niederländische Kollegin Esther de Lange durch.
Im Januar steht die vorzeitige Wiederwahl des italienischen Sozialdemokraten David Sassoli auf der Tagesordnung. Es ist noch unklar, ob Sassoli erneut kandidiert oder ob die S&D für die zweite Hälfte der Legislaturperiode mit einem anderen Kandidaten antritt.
Fraktionsvorsitzender Manfred Weber erklärte, die EVP sei bereit, mit dem liberalen Koalitionspartner Renew über Anpassungen des 2019 vereinbarten Koalitionsabkommens zu verhandeln, um dadurch deren Unterstützung für das Präsidium zu gewinnen. Er rief zudem die S&D dazu auf, sich an die 2019 getroffene Vereinbarung zu halten, wonach die EVP das Präsidium übernehmen soll und keine eigenen Kandidaten aufstellt.
Ursprünglich war vorgesehen, dass Weber selbst das Parlamentspräsidium interimistisch übernehmen würde, doch kürzlich kündigte er an, mehr Zeit und Energie in die Stärkung der europäischen Christdemokratie sowie in die deutsche Politik investieren zu wollen. Auf Fragen von Journalisten, ob er eine Rückkehr in die deutsche Politik erwäge, erklärte Weber, seine Zukunft liege in Europa.
Metsola äußerte sich in einer ersten Reaktion geehrt, ein starkes Mandat der EVP-Fraktion erhalten zu haben. „Die zweite Hälfte dieser Legislaturperiode wird für Europa entscheidend sein – ich werde hart daran arbeiten, weiterhin Brücken zu anderen Fraktionen zu bauen, wichtige Gesetze voranzubringen und die Entscheidungsfindung den Menschen in jedem Mitgliedstaat näherzubringen.“
Die maltesische Politikerin ist seit 2019 eine der Vizepräsidentinnen des Europäischen Parlaments und hat Sassoli regelmäßig vertreten. Auf die Frage, was sie anders als Sassoli tun würde, antwortete sie, sie habe bereits Empfehlungen unterstützt, Unterbrechungen bei Plenarsitzungen zuzulassen. Außerdem wolle sie in Ausschüssen und im Plenum mehr Debatten ermöglichen anstatt nur Erklärungen abzugeben.
Weber erklärte, sie werde das Gesicht eines starken, modernen und sichtbaren Europäischen Parlaments sein. „Und ja, wir finden, es ist auch höchste Zeit, dass die nächste Präsidentin des Europäischen Parlaments eine Frau ist!“, betonte er.

