Eine Delegation von neun Mitgliedern des Europäischen Parlaments hat einen Arbeitsbesuch an der bulgarisch-türkischen Grenzübergangsstelle Kapitaan Andrevo gemacht. Dort werden jährlich viele Zehntausende Tiere aus EU-Ländern in Nicht-EU-Länder transportiert, wobei es regelmäßig zu Verstößen gegen die EU-Tierschutzvorschriften kommt.
Die Europaabgeordneten der ANIT-Tiertransportkommission trafen Unterstaatssekretäre für Landwirtschaft, Beamte und bulgarische veterinärmedizinische Experten und besichtigten den Grenzübergang sowie agrarwirtschaftliche Einrichtungen. Vor Ort sprachen sie außerdem mit Tierärzten und Lkw-Fahrern von Viehtransporten.
Jedes Jahr verlassen zwischen 150.000 und 250.000 Tiere die Europäische Union, indem sie die bulgarische Grenze zu Türkei überqueren, und werden von dort weiter nach Osten transportiert. Die Delegation hörte erstaunt von einem leichten Rückgang der Anzahl der durchziehenden Tiere in den vergangenen Jahren, was mit einer Zunahme der Exporte über See an anderen europäischen Standorten zusammenhängen könnte.
Die Transportdauer ist oft zu lang, die Tiere sind zu jung für eine sichere Reise, es mangelt manchmal an ausreichendem Wasser oder Futter, und es gibt Probleme mit Hitzestress durch die hohen Temperaturen während der Sommermonate.
Die Delegation wurde zudem darüber informiert, dass die verfügbaren Ruheeinrichtungen für Tiere nicht systematisch genutzt werden.
Der massive Strom lebender Tiere über die bulgarisch-türkische Grenze ist ein Problem, das die bulgarischen Behörden nicht allein lösen können, vor allem da der Großteil des Viehs nicht einmal von bulgarischen Höfen stammt.
Die ANIT-Untersuchungskommission wurde im Juni 2020 gegründet, um Verstöße gegen den Tierschutz beim Viehtransport zu untersuchen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der Einhaltung der EU-Vorschriften durch die EU-Länder und deren Durchsetzung durch die EU-Kommission.

