Das Schicksal von Nutztieren in der Europäischen Union kann nur gemeinsam mit den Landwirten verbessert werden, nicht ohne sie. Mehr Tierschutz kann vor allem durch bessere Gesetze in den EU-Ländern und deren bessere Einhaltung erreicht werden. Dafür plädierte der französische liberale Europaabgeordnete Jérémy Decerle in einer jährlichen Bewertung zum Wohl von Nutztieren.
Die europäischen Normen für den Tierschutz gehören zu den höchsten weltweit. „Wir wollen, dass sich auch andere Länder weltweit an tierfreundlichere Regeln halten. Wir dürfen das Problem des Tierleids nicht exportieren, indem wir unsere eigenen Regeln immer weiter verschärfen. Es ist hilfreicher, wenn wir unsere nationalen Regeln harmonisieren und aufeinander abstimmen“, erklärte Decerle.
Er wies darauf hin, dass das Thema „Tierleid“ in der Gesellschaft immer mehr Aufmerksamkeit erhält – im weitesten Sinne des Wortes. Nicht nur das Schicksal von Straßenhunden in Südeuropa oder misshandelten Eseln in Osteuropa, sondern auch die Art und Weise, wie Schlachttiere transportiert werden, sowie die Größe von Ställen und Käfigen.
Der Berichterstatter sagt, dass die Politiker in Straßburg nicht zu jenen gehören sollten, die den Blick abwenden und schweigen, aber auch nicht zu den Fanatikern, die nur „eingreifen“ wollen.
Eine mit 496 gegen 140 Stimmen angenommene Resolution fordert klarere EU-Regeln zum Tierschutz, wodurch weniger Interpretationsspielraum bleibt. Die Gesetze sollen einheitlich und vollständig in allen EU-Ländern angewendet werden.
Der Berichterstatter formulierte damit verdeckt die häufige Kritik, dass vor allem auf dem Land in mittel- und osteuropäischen Ländern die Behörden kaum Einblick in den Umgang mit Nutztieren haben. Viele EU-Länder verfügen zudem über nur eingeschränkte und schwerfällige Kontrollbehörden.
Als vernünftige Erweiterung der bestehenden Regeln plädiert der Jahresbericht für die Möglichkeit, mehr Tierarten unter den Begriff „Nutztiere“ zu fassen. Das ist in den EU-Ländern noch nicht einheitlich geregelt. Für viele Tierarten, darunter Milchkühe, Schafe und Puten, gelten keinerlei spezifische Schutzvorschriften. Zudem spricht sich Berichterstatter Decerle für die Einführung eines „Tierschutzlabels“ auf Lebensmitteln aus. „Die Kundschaft im Supermarkt möchte wissen, was im Lebensmittel steckt und woher es kommt.“
„Mit diesem Bericht bezieht eine Mehrheit des Europäischen Parlaments bereits Stellung gegen zu drastische EU-Maßnahmen, die auf Emotionen basieren“, sagte der niederländische Europaabgeordnete Bert-Jan Ruissen (SGP).
Die Partei für die Tiere sieht das anders. „Leider spielten hauptsächlich wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Der Implementierungsbericht widmet den Problemen mit der aktuellen Tierschutzgesetzgebung kaum Aufmerksamkeit“, so die Europaabgeordnete Anja Hazekamp. Die Partei für die Tiere hat deshalb gegen den Implementierungsbericht gestimmt und einen eigenen alternativen Vorschlag eingebracht.

