Der Beschluss zur Ablehnung wird nun in der Juli-Sitzung dem gesamten Parlament vorgelegt. Befürworter erwarten dort dennoch eine Mehrheit für den bereits von den Ministern abgeschwächten Vorschlag.
Es besteht auch die Möglichkeit, dass Abgeordnete vor der Abstimmung neue Kompromisse finden und neue Änderungsanträge einbringen. Der niederländische VVD-Abgeordnete Jan Huitema deutete diese Möglichkeit bereits an. Vier der zwölf Renew-Liberalen stimmten im Umweltausschuss gegen den Vorschlag.
Die Gegner in der EVP sagen, dass sie nicht über den aktuellen Vorschlag verhandeln wollen, sondern ein neues Vorhaben verlangen und deshalb die Debatte im Juli auf September verschieben möchten.
Der Vorsitzende Pascal Canfin des Umweltausschusses (ENVI) erklärte ebenfalls, dass er mit neuen Entwicklungen rechne, falls die Europäische Kommission nächste Woche (5. Juli) ihren Vorschlag zur Lockerung der Gentechnik in der Land- und Gartenwirtschaft präsentieren wird. Die Gegner in der EVP wünschen sich diese neue Crispr/Cas-Technik sehr, doch der Klimakommissar Timmermans hat bereits gesagt, dass sein Green Deal-Paket ein „beides“ sei.
Er ist der Ansicht, dass die Gegner nicht das eine wählen und das andere anschließend ablehnen können.
Vorsitzender Canfin des Umweltausschusses kritisierte die – wie er es nannte – Manipulation der Abstimmungen durch den EVP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber. Anhand der Anwesenheitslisten wurde festgestellt, dass ein Drittel der regulären EVP-Mitglieder im Umweltausschuss diesmal von der Fraktionsleitung durch EVP-Mitglieder aus dem Landwirtschaftsausschuss ersetzt wurden, vor allem durch deutsche CDU-Mitglieder. Laut Canfin sind viele der „ausgetauschten“ EVP-Mitglieder Befürworter des Naturschutzgesetzes, ebenso wie die meisten EVP-Minister aus den EU-Mitgliedstaaten.
Canfin wies darauf hin, dass die EVP im Plenum keine Befürworter ausschalten könne. Seiner Ansicht nach findet innerhalb der EVP ein (deutscher) Machtkampf zwischen Fraktionschef Manfred Weber und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen statt.
Weber setzt sich für einen rechtskonservativeren Kurs mit weniger ökologischen und mehr wirtschaftlichen Prioritäten ein, während von der Leyen den Green Deal-Kurs von Timmermans unterstützt. Am vergangenen Wochenende rebellierte Weber in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) offen gegen diesen Kurs. Die EVP hält Ende dieser Woche eine europäische Spitzenkonferenz ab.

