Kommissar Hoekstra überlässt es jedoch der neuen Europäischen Kommission, konkrete Maßnahmen vorzuschlagen. Er nennt zwar einige Wirtschaftszweige, die ihre Emissionen in den kommenden Jahren weiter reduzieren könnten, lässt die Landwirtschaft dabei aber weitgehend unerwähnt.
Die Zwischenvorschläge für nach 2040 fallen nicht vom Himmel. In dem europäischen Klimagesetz ist festgeschrieben, dass die Europäische Kommission Meilensteine setzen muss. Nach Angaben des niederländischen Europaabgeordneten Mohamed Chahim (PvdA) fordert Hoekstra keine strengeren Kriterien, sein Berechnung entspricht vielmehr der Fortsetzung der bereits festgelegten aktuellen Kriterien.
Da die Analyse für den Zeitraum 2030 bis 2040 vorliegt, wartet man jetzt auf einen neuen Gesetzesvorschlag. Wahrscheinlich wird dies eines der Streitpunkte der neuen Europäischen Kommission sein, die nach den Europawahlen im Juni ihr Amt antreten wird.
Der Landwirtschaft kommt laut einer zuvor erstellten Wirkungsanalyse, die von Experten angefertigt wurde, eine große Aufgabe bei der Verhinderung weiterer Luftverschmutzung zu. Während in früheren Plänen noch eine Reduktion von dreißig Prozent genannt wurde, sind diese Zahlen nun aus dem endgültigen Plan gestrichen.
Bereits Anfang dieser Woche hat die Europäische Kommission den stark kritisierten Gesetzesvorschlag zur Verringerung chemischer Mittel zurückgezogen, nachdem es anhaltende Proteste europäischer Landwirte gegen das gab, was sie als Flut von Umweltbeschränkungen in ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit bezeichnen.
Der Landwirtschaft wird nach Angaben des niederländischen Europaabgeordneten Bas Eickhout (GroenLinks) somit mehr Zeit eingeräumt, wodurch andere Sektoren seiner Ansicht nach schneller nachhaltiger werden müssen. „Die Landwirtschaft wird von der Kommission wieder geschont, aber selbst schwache Ziele werden wir mit dem derzeitigen Einsatz nicht erreichen.“
„Es ist ganz einfach: Der Weg zur Klimaneutralität ist mit der aktuellen Landwirtschaft nicht vereinbar. Anstatt die Branche zu schonen, müssen wir klar aufzeigen, wie Landwirte in einer grundlegend anderen Zukunft Sicherheit erhalten und gut ihren Lebensunterhalt verdienen können. Dazu gehört auch ein anderer Einsatz der europäischen Subventionen“, so Eickhout.
Die Europaabgeordnete Anja Haga (ChristenUnie) ist der Meinung, dass man sich nicht zu sehr auf mögliche zukünftige technische Innovationen zur Emissionsminderung verlassen sollte: „Solange die Emissionen weiter steigen, reichen Innovationen alleine nicht aus. Anstatt mit offenem Hahn zu wischen, kann man besser den Hahn einfach zudrehen. Das bedeutet: eine Wirtschaftsweise zu wählen, die im Gleichgewicht mit dem steht, was die Erde aushält“, so Haga.

