Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat in einer Rede vor dem Europäischen Parlament gesagt, dass die Islamische Republik Iran nicht reformiert werden kann, sondern das Land eine neue Verfassung benötigt.
In Iran wird in den letzten Monaten erneut gegen das klerikale System und die Unterdrückung demokratischer Kräfte demonstriert.
Anlässlich des Internationalen Frauentags waren die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti eingeladen, das Plenum des Europäischen Parlaments anzusprechen.
Shirin Ebadi erhielt vor zwanzig Jahren den Friedensnobelpreis für ihre Arbeit für Demokratie und Menschenrechte im Iran, insbesondere für die Rechte von Frauen und Kindern. Samantha Cristoforetti ist Astronautin der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und die erste weibliche Kommandantin der internationalen Raumstations-Expedition 68.
Ebadi plädierte in Straßburg für einen Regimewechsel in ihrem Land. Sie forderte eine neue Verfassung, die tiefgreifende Reformen ermöglichen würde. Ihr Verweis auf die Protestbewegung „Woman, Life, Freedom“ wurde von vielen Europaabgeordneten mit Applaus aufgenommen.
Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, lobte Ebadis Einsatz für Demokratie und Menschenrechte, würdigte den Mut iranischer Frauen und erklärte, ihr Kampf sei eine „Inspiration für Frauen auf der ganzen Welt“.
Die erneuten Proteste gegen die iranischen Ayatollahs begannen nach dem Tod einer 22-jährigen Frau, Mahsa Amini, im September 2022 in Polizeigewahrsam. Amini war festgenommen worden, weil sie das vorgeschriebene Kopftuch angeblich falsch getragen hatte. Die Sicherheitskräfte unterdrückten die Protestbewegung brutal, töteten mehr als 520 Demonstranten und hielten über 19.000 unrechtmäßig fest, so Aktivisten.
Nach rechtswidrigen Inhaftierungen und voreingenommenen Prozessen verhängte die Justiz harte Strafen, darunter die Todesstrafe, gegen Demonstranten.

