Die Parteiführer sind sich einig geworden, dass der neue Landwirtschaftskommissar aus dem Kreis der christdemokratischen EVP stammen soll. Dies gilt allerdings nur, wenn auch die deutsche Christdemokratin Ursula von der Leyen zur Kommissionspräsidentin wiederernannt wird. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sie sich selbst zur Wiederwahl stellt.
Üblicherweise schlagen die Regierungschefs der 27 EU-Länder Kandidaten für die Kommission vor, und das Europäische Parlament stimmt dem zu. Dies wird in den kommenden Monaten erfolgen, beginnt aber bereits nächste Woche mit einer Abstimmung im Europäischen Parlament über die Wiederernennung von Von der Leyen.
Das Machtzentrum in Brüssel wurde in den vergangenen Jahren von Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberalen gebildet. Auch nach den jüngsten Europawahlen verfügen sie weiterhin über eine Mehrheit, diese ist jedoch durch die Wahlerfolge rechter Parteien geschrumpft. Deshalb suchen die drei „traditionellen“ Gruppen nun auch die Zusammenarbeit mit den ECR-Konservativen und den Grünen. In der letzten Legislaturperiode hatten diese beiden Gruppen bereits „eigene“ Kommissariate erhalten, wobei das Umweltressort zu den Grünen und die Landwirtschaft zu den Konservativen kam.
Kommissionspräsidentin Von der Leyen hat nach den Bauernprotesten Anfang dieses Jahres einen „strategischen Dialog“ gestartet, um Teile der Agrarpolitik anzupassen. Sie ist der Ansicht, dass „die Mikromanagement der Programme in der Gemeinsamen Agrarpolitik zurückgedrängt werden muss, als Teil von Maßnahmen zur Verringerung des administrativen Aufwands für die Landwirte um mindestens ein Viertel.“ In diesen Monaten hat sich die EVP auch deutlich als „Bauernpartei“ profiliert.
Das derzeitige Landwirtschaftsressort liegt noch in den Händen des Polen Janusz Wojciechowski aus der konservativen ECR-Gruppe. Im Gegenzug für diesen „Verlust“ erhalten die Konservativen den Vorsitz des einflussreichen Parlamentsausschusses für Landwirtschaft AGRI, der derzeit noch vom deutschen Christdemokraten Norbert Lins geleitet wird.
Die EVP-Christdemokraten haben im vergangenen Jahr innerhalb der EU gegen weitergehende Klima- und Umweltvorschriften in der Landwirtschaft mobilisiert. Besonders die Ziele des Green Deals stehen im Mittelpunkt ihres Widerstands. Die EVP-Fraktion wollte deswegen auch die Rolle des Umweltausschusses ENVI so weit wie möglich außerhalb des AGRI-Agrarressorts erhalten. Dabei wurde erwogen, die Befugnisse in den Bereichen Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einem eigenen neuen Ausschuss zu bündeln. Dies wurde bisher durch Widerstand von Liberalen und Grünen verhindert.

