Über die Verwendung von in der EU verbotenen chemischen Pflanzenschutzmitteln durch einen bulgarischen landwirtschaftlichen Familienclan wurden neue Enthüllungen gemacht. Dabei starben nicht nur große Mengen Bienen durch den Einsatz, sondern auch mussten drei Kinder mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Eine frühere Untersuchung von Euractiv im Norden Bulgariens beschäftigte sich zunächst nur mit einer massiven Bienengiftung im vergangenen Frühjahr, doch möglicherweise handelt es sich in diesem Fall auch um Missbrauch von EU-Subventionen. Damals spielten mehrere Kinder in Dolna Mitropolia draußen auf einem Feld und achteten kaum auf einen Traktor, der die angrenzenden Felder besprühte.
Einige Stunden später bemerkte die Mutter eines der Kinder, dass das Gesicht ihres Sohnes komplett rot und angeschwollen war. Der Junge wurde eilig ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte feststellten, dass er zusammen mit drei weiteren Kindern vergiftet worden war.
Viele Imker in der Stadt bestätigten damals ebenfalls Fälle von toten Bienen an diesem speziellen Tag, und ein Imker reichte eine Beschwerde ein. Er schickte Proben an ein privates Labor. Die Proben zeigten Rückstände von Carbendazim, Benomyl, Epoxiconazol, Thiofanat-Methyl und Florasulam. Carbendazim wurde seit 2016 nicht mehr für die Verwendung in der EU zugelassen. Bei der Analyse wurden zudem Spuren der Wirkstoffe Clothianidin und Thiamethoxam gefunden, die in der gesamten EU verboten sind.
Aus einem TV-Bericht von Euractiv geht nun hervor, dass Stefan Stoyanov der Grundstückseigentümer beider besprühten Felder ist. Er arbeitete bis 2013 als Senior-Experte für den bulgarischen Staatsfonds für Landwirtschaft, während der Pächter des Landes das Unternehmen „Helga – Svetla Stoyanova“ seiner Mutter war.
Später wurde Stoyanov Manager eines Beratungsunternehmens, das das Landwirtschaftsministerium beriet, als beträchtliche Summen an EU-Subventionen für das Unternehmen seiner Mutter genehmigt wurden. Außerdem ist nun bekannt, dass einer ihrer Schwiegersöhne im Direktorat für Bienenzucht des Staatsfonds für Landwirtschaft tätig ist.
Das landwirtschaftliche Unternehmen profitiert, wie viele andere auch, vom EU-Subventionsprogramm für die ländliche Entwicklung und von Direktzahlungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Die große, moderne Agrarbasis wurde dank europäischer Mittel errichtet.
Die bulgarische Zeitung Farmer bezeichnete Svetla Stoyanova 2018 als „landwirtschaftliche Geschäftsfrau des Jahres“. Das Unternehmen besitzt außerdem ein Hotel und ein modernes Bürogebäude. Sowohl der Staatsfonds für Landwirtschaft als auch die Bulgarische Agentur für Lebensmittelsicherheit unterstehen der Aufsicht des bulgarischen Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten.
Die Agentur verhängte keine Strafe gegen das Unternehmen und kam zu dem Schluss, dass alle im Pflanzenproben enthaltenen Stoffe in der EU und Bulgarien erlaubt seien. Das Europäische Parlament hat kürzlich einen eigenen ständigen Ausschuss zur Untersuchung von Missbrauch bei EU-Subventionen eingerichtet.
Dieser Untersuchungsausschuss wurde auch eingesetzt, nachdem bekannt geworden war, dass viele EU-Landwirtschaftssubventionen in zahlreichen osteuropäischen Ländern bei großen Agrarbetrieben einiger weniger Geschäftsleute sowie ehemaliger Beamter und Ex-Politiker landeten. Dieser Fall von Bienensterben, Einsatz verbotener chemischer Mittel und Konzentration von EU-Subventionen wurde nun auch bei diesem neuen EP-Ausschuss gemeldet.

