Niederländische Gegner dieses Vorschlags sagen, dass dieses Gesetz „Niederlande lahmlegt“ und „ungeheure juristische Folgen entstehen können“. Timmermans widerspricht dem und sagt, dass gerade die Gegner „das gegenwärtige System lahmlegen“. Eine Delegation des Landwirtschaftsausschusses der Zweiten Kammer besuchte gestern Nachmittag eine (bereits vor Wochen organisierte) Arbeitsreise nach Brüssel. Dort wurden sie von den EU-Kommissaren Timmermans, Sinkevicius und Wojciechoiwski empfangen und führten Gespräche mit einigen niederländischen Abgeordneten des Europäischen Parlaments.
Die Arbeitsreise stand aufgrund der aktuellen Situation ganz im Zeichen der Debatte über das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Außerdem fiel der Besuch zusammen mit der jährlichen Politiküberprüfung, die Klimakommissar Timmermans mit dem Landwirtschaftsausschuss des Europäischen Parlaments durchführte. Gegen die Vorschläge, die aus der Green-Deal-Philosophie der Eurokommission hervorgehen, gibt es großen Widerstand.
Timmermans machte den Europaabgeordneten des Landwirtschaftsausschusses klar, dass sie nicht weiter „den Kopf in den Sand stecken“ können. Er forderte sie auf, die Fakten und die Realität anzuerkennen: Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung sind bedroht. Nicht durch den europäischen Green Deal oder das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur, sondern durch den Klimawandel, Luftverschmutzung, Dürre sowie vergifteten Boden und Grundwasser.
Timmermans sprach nicht frei, sondern vom Blatt ab, und hielt eine sorgfältig vorbereitete Rede mit exakten Formulierungen.
Timmermans forderte die Agrarpolitiker auf, aus ihren Schützengräben herauszukommen, insbesondere die Konservativen und Christdemokraten, die das Naturgesetz von vornherein ablehnen möchten. Er betonte noch einmal, dass er und seine Kollegen Sinkevicius, Kyriakides und Wojciechowski bereit seien, „jede mögliche Kompromisslösung“ zu diskutieren, „aber dann müssen Sie auch mit Ihren Wunschlisten kommen“.
Der große Sitzungssaal des Ausschusses im Europäischen Parlament in Brüssel war bis auf den letzten Stuhl besetzt, nicht nur von Europaabgeordneten und Fraktionsmitarbeitern, sondern auch von Dutzenden Landwirten aus verschiedenen EU-Ländern, die zur Debatte gekommen waren. Das erweckte den Eindruck, dass sich Timmermans in die Höhle des Löwen begeben hatte, doch unter den EU-Politikern und dem Publikum erfuhr er auch Unterstützung und Zustimmung.
Timmermans sagte, die Kommission halte an Kurs und Inhalt der drei derzeit im Umlauf befindlichen Klima- und Naturschutzgesetze fest. Nichtstun und Abwarten nannte er unverantwortlich. Er warf den „Verweigerern“ vor, dass sie (mit Blick auf die Europawahlen in etwas mehr als einem Jahr) „wider besseres Wissen“ die Zukunft von Land- und Gartenbau aufs Spiel setzten. Nicht zurück an den Zeichentisch, sondern vorwärts an den Verhandlungstisch, so mahnte er die Zauderer.

