Die großen amerikanischen Schlacht- und Fleischverarbeitungsbetriebe haben im Frühjahr 2020 für ihre Mitarbeiter als Verteiler von Covid-19-Infektionen fungiert.
Etwa 300.000 Beschäftigte infizierten sich am Arbeitsplatz mit Corona und trugen die Infektion nach Hause. Das führte zu etwa 4300 bis 5200 Todesfällen, wie eine Studie der Akademie der Wissenschaften in den Vereinigten Staaten zeigt.
Die Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) untersuchte die Folgen der Regierungsentscheidung, die Lebensmittelversorgung während des Corona-Ausbruchs und der Schließung vieler Unternehmen als „strategische Notwendigkeit“ einzustufen und offen zu halten.
Obwohl die USA versucht haben, eine Balance zwischen der Eindämmung der Corona-Ausbreitung und dem Offenhalten essentieller Dienste zu finden, deuten vorläufige Forschungsergebnisse darauf hin, dass die Fleischverarbeitungsunternehmen die COVID-19-Infektionen in mehreren Gemeinden verstärkt haben.
Vorübergehende Fabrikschließungen führten zu stärkeren Rückgängen der Infektionsraten als in Regionen, in denen Fleischverarbeitungsbetriebe und Schlachthöfe offen blieben. Laut den Forschern deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Viehverarbeitung ein besonders hohes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellen kann.
Der Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Infektionen und den Viehhaltungsunternehmen war bei den größten Fabriken am deutlichsten. Schlachthöfe mit Ausnahmen für höhere Verarbeitungsgeschwindigkeiten wurden mit einem stärkeren Anstieg der Infektionen in Verbindung gebracht als Betriebe ohne Ausnahmegenehmigung.
Aus früheren deutschen Untersuchungen war bereits bekannt, dass die (niedrige) Temperatur und die (hohe) Luftfeuchtigkeit in Schlachthöfen und gekühlten Lagerräumen ein günstiges Klima für das Überleben des Virus darstellen. Nicht das Vieh oder das Fleisch übertragen das Virus, sondern kranke Beschäftigte steckten sich gegenseitig an. In vielen amerikanischen Fleischbetrieben wurden die Arbeitsbedingungen erst spät verbessert.

