Laut dem Niederländischen Roten Kreuz besteht dringender Bedarf an einer humanitären Lösung für die Venezolaner, die nach Aruba und Curaçao geflohen sind. Tausende Menschen sind aus Venezuela geflohen und leben nun auf den Inseln, wo sie selbst Nahrung, Unterkunft oder Medikamente finden müssen. Die Menschen leben ständig in Angst; Ausbeutung und Menschenhandel sind große Risiken, sagte das Niederländische Rote Kreuz.
Die Situation der venezolanischen Flüchtlinge auf den Niederländischen Antillen ist dramatisch: Laut einem aktuellen Bericht von Refugees International zählt sie zu den schlimmsten in der Region. Eine Delegation der Hilfsorganisation besuchte Anfang dieses Jahres die Insel Curaçao. Sie kamen zu dem Schluss, dass Curaçao der wachsenden Zahl venezolanischer Flüchtlinge keinerlei Schutz bietet, berichtete zuvor das Katholisch-Wochenblatt.
Seit Beginn der Unruhen in Venezuela haben etwa 56.000 Menschen ihren Weg zu den sogenannten ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curaçao) gefunden, von denen die nächstgelegene weniger als 20 Meilen vor der Küste Venezuelas liegt. Laut dem Roten Kreuz flohen die meisten nach Curaçao (25.000). Die offizielle Zahl ist unbekannt, da viele aus Angst vor Festnahmen im Verborgenen bleiben.
Das Rote Kreuz erklärte auch, dass viele venezolanische Flüchtlinge allein sind. Dies erhöht das Risiko von Missbrauch, Menschenhandel und Zwangsprostitution. In den vergangenen Monaten haben mehrere andere Hilfsorganisationen ihre Besorgnis über die katastrophale Lage auf den Niederländischen Antillen geäußert, darunter auch das lokale Caritas, das im Auftrag der Kirche humanitäre Hilfe leistet.
Laut Caritas besteht das größte Problem im Fehlen einer offiziellen Migrationspolitik. Dies gilt besonders für Venezolaner ohne rechtliche Dokumente. Einmal festgenommen, werden sie in sogenannten „Flüchtlingsbaracken“ eingesperrt.
Auf den Inseln besteht kein Anspruch auf Asyl. Die meisten Menschen erhalten keine Möglichkeit, internationalen Schutz zu beantragen. Der Grund hierfür ist, dass Curaçao das Genfer Flüchtlingsabkommen nie unterzeichnet hat und den Flüchtlingsstatus nicht anerkennt.
Alle Venezolaner, die letztlich festgenommen werden, müssen ihr eigenes Rückflugticket zurückkaufen. Wenn sie das Geld dafür nicht haben, bleiben sie im Gefängnis, bis Familienangehörige oder Freunde das Geld bereitstellen können. Wenn dies nicht geschieht, werden Regierung und Konsulat um Hilfe gebeten, ein Prozess, der Monate dauert.
Die Flüchtlingsströme stellen eine enorme Herausforderung für die ABC-Inseln dar, insbesondere für Curaçao mit seinen 160.000 Einwohnern. Die Krise in Venezuela hat die Wirtschaft stark belastet. Die Schließung der Raffinerie auf Curaçao, verursacht durch die Situation in Venezuela, war ein harter Schlag für die Insel und führte zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Derzeit sind 26 Prozent der Menschen arbeitslos, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 40 Prozent. Experten sagen, es sei klar, dass Curaçao den Zustrom von Flüchtlingen nicht alleine bewältigen kann.

