Heute vor dreißig Jahren, am 5. April 1992, begann die Belagerung von Sarajevo. Die Belagerung der bosnischen Hauptstadt sollte letztlich fast vier Jahre dauern und forderte über 12.000 zivile Opfer. Der Kampf um die Stadt war ein blutiger Teil des bereits ein Jahr zuvor begonnenen jugoslawischen Bürgerkriegs.
Als Folge des Zerfalls Jugoslawiens hielt die bosnische Regierung am 29. Februar 1992 ein Referendum über die Unabhängigkeit ab. Die bosnischen Kroaten und die überwiegend islamischen Bosniaken stimmten für die Abspaltung und erreichten die Mehrheit. Die bosnisch-serbische Bevölkerung boykottierte jedoch das Volksbegehren und gründete ihre eigene Republik, die Republika Srpska, unterstützt von der jugoslawischen Volksarmee und dem Serbien Slobodan Miloševićs.
Wenige Tage nach der Annahme des Referendums umzingelten die Truppen Miloševićs und Mladićs die bosnische Hauptstadt, und die fast vier Jahre andauernde Belagerung begann. Diese war unter anderem gekennzeichnet durch Mörserbeschuss auf zivile Ziele und Scharfschützen, die wahllos Stadtbewohner erschossen.
Bereits im Jahr vor dem Referendum brachen Unruhen zwischen bosnischen Kroaten und Bosniaken auf der einen sowie bosnischen Serben auf der anderen Seite aus. Im Oktober 1991 erklärte der spätere Präsident Radovan Karadžić: „In wenigen Tagen wird Sarajevo nicht mehr existieren und es wird 500.000 Tote geben.“
In den Dörfern und Städten, die in die Hände der Serben fielen, fanden weitreichende ethnische Säuberungen statt. Alle Häuser von Nicht-Serben wurden niedergebrannt, anschließend wurden die Bewohner getötet oder in Konzentrationslager eingesperrt. Aufgrund eines begrenzten Mandats und mangelnder Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, bewaffnet einzugreifen, waren Einheiten der UN-Friedenstruppe größtenteils machtlos.
Erst nach dem Fall von Srebrenica am 11. Juli 1995 änderte sich die Lage. Am 30. August begann die NATO mit Luftangriffen auf die serbischen Truppen, und weniger als zwei Monate später war der Konflikt beendet, worauf die Dayton-Friedensverhandlungen einsetzten.
Schätzungen der Opferzahlen des Bosnienkriegs liegen allgemein zwischen 100.000 und 110.000 Toten. Darüber hinaus flohen 2,2 Millionen Menschen infolge der Kämpfe, womit der Bosnienkrieg – bis zu diesem Zeitpunkt – der verheerendste europäische Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg war. (Aktuell sind bereits 5 Millionen Ukrainer auf der Flucht!)
Allein bei der Belagerung von Sarajevo starben 8.000 Soldaten und mehr als 12.000 Zivilisten. Insgesamt dauerte die Belagerung 3 Jahre und 9 Monate, drei Mal länger als die Belagerung von Stalingrad. Damit ist sie die längste Belagerung einer Hauptstadt in der modernen Geschichte.

