Staatssekretär Paul Blokhuis (CU) für Gesundheit verfolgt die Gesetzesvorschläge des britischen Premierministers Boris Johnson gegen Übergewicht mit großem Interesse und wird sie auch im EU-Rahmen zur Sprache bringen.
Im Kampf gegen Corona muss das Problem des Übergewichts viel stärker angegangen werden. Das sagen auch niederländische Mediziner und Politiker. Der britische Premierminister Boris Johnson gibt ihnen zufolge ein gutes Beispiel.
Jüngste Untersuchungen des Erasmus MC zeigen, dass Menschen mit starkem Übergewicht viel häufiger auch ein ernsthaftes Risiko für COVID-19 haben. Es gibt Hinweise darauf, dass dies mit Veränderungen im Immunsystem durch zu viel Bauchfett zusammenhängt. Dadurch kann der Körper nicht mehr richtig auf eindringende Viren reagieren. Das schrieb Staatssekretär Blokhuis für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport an die Zweite Kammer. In diesem Zusammenhang betrachtet er die britische Gesundheitskampagne mit Interesse.
Johnson ist der Meinung, dass alle zu dicken Briten abnehmen müssen. Unter anderem wird es ein Werbeverbot für Junkfood bis 21:00 Uhr im Fernsehen und Internet geben. In britischen Geschäften dürfen Süßigkeiten und Schokolade zudem nicht mehr an der Kasse liegen. Rabattaktionen für ungesunde Produkte werden verboten und es darf keine Süßigkeiten und Schokolade mehr an der Kasse liegen.
„Endlich,“ seufzte kürzlich Liesbeth van Rossum, Professorin für Adipositas und Internistin am Erasmus MC in Rotterdam, im Het Parool. „Jetzt muss etwas geschehen, auch in den Niederlanden ist das dringend nötig.“ Aus jüngsten Untersuchungen geht hervor, dass 77 Prozent der Corona-Patienten, die in den Niederlanden auf der Intensivstation landeten, mit Übergewicht zu kämpfen hatten. Etwa die Hälfte der Niederländer ist zu dick, rund 15 Prozent der Bevölkerung leidet an Adipositas.
In der niederländischen Politik wird bislang kaum Aufmerksamkeit auf ungesunde Essgewohnheiten gelegt. Zwar empfiehlt die „Schijf van Vijf“ vor allem frisch und abwechslungsreich zu essen, doch im Präventionsabkommen, das Staatssekretär Blokhuis unter anderem mit der Ernährungsindustrie und den Supermärkten abgeschlossen hat, geht es nicht um stark verarbeitete Lebensmittel. Und im Abkommen zur Verbesserung der Produktzusammensetzung geht es nur um Zucker, gesättigte Fette und Salz, und nicht beispielsweise um Kohlenhydrate, Proteine und Ballaststoffe.
Auch die Regierungspartei ChristenUnie ist der Meinung, dass es stärker angepackt werden muss. „Was das Vereinigte Königreich zeigt, ist sehr interessant,“ sagt das Zweite-Kammer-Mitglied Carla Dik-Faber. „Wir finden, dass 80 Prozent der Supermarktwerbung für gesunde Ernährung stehen sollten, momentan sind es erst 20 Prozent. Außerdem wollen wir, dass ungesunde Produkte an der Kasse verboten werden.“
Die Oppositionsparteien PvdA und GroenLinks sprechen sich für eine Zuckersteuer aus. „Die Einführung wird leider immer noch durch die starke Lobby von Supermärkten und Erfrischungsgetränkeherstellern blockiert,“ sagt das PvdA-Kamermitglied Lilianne Ploumen.
Auch die Niederlande wollen die angekündigten Maßnahmen bezüglich Marketing und Platzierung ungesunder Produkte aufmerksam verfolgen, erklärt der niederländische Staatssekretär Blokhuis. Die in Großbritannien ergriffenen Maßnahmen werden zudem für die nächste Besprechung mit den Partnern der Nationalen Präventionstisch für Übergewicht auf die Agenda gesetzt.

