Die Einwohner des östlichen deutschen Bundeslandes Thüringen haben bei den regionalen Wahlen massiv für radikale Parteien gestimmt. Der radikal-linke Partei Die Linke zufolge wird sie nach vorläufigen Ergebnissen mit etwa 30 Prozent der Stimmen die stärkste Partei. Die radikal-rechte Partei AfD würde ihr Stimmenergebnis mehr als verdoppeln und auf über 22 Prozent kommen.
Die anti-immigrantische Partei AfD überholt dabei knapp die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die deutschen Christdemokraten verlieren mehr als zehn Prozent und bleiben bei der für Thüringen historisch niedrigen Marke von 22 Prozent stehen.
Auch die sozialdemokratische SPD fällt laut Prognosen auf einen neuen Tiefststand: 8,0 Prozent. Die Grünen und die liberale FDP bewegen sich hingegen in der Nähe der Fünf-Prozent-Hürde.
Mit diesem Ergebnis kann der Ministerpräsident des Bundeslandes, Bodo Ramelow von Die Linke, erneut die Initiative zur Bildung einer neuen Koalition ergreifen. Die Wahlbeteiligung lag mit etwa 65 Prozent deutlich höher als vor fünf Jahren (52,7). Das vorläufige Ergebnis ist bundesweit eine neue Enttäuschung für die „Große Koalition“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU/CSU und SPD) in Berlin.
Ramelow zeigte sich erfreut über die Anerkennung seiner Politik und die hohe Wahlbeteiligung. „Ich sehe dies als eindeutige Bestätigung. Der Regierungsauftrag ist zweifelsfrei bei meiner Partei angekommen. Ich werde diesen Auftrag annehmen.“ Da bisher keine andere Partei mit der AfD koalieren will, scheint die Bildung einer neuen Mehrheit für Die Linke eine schwierige Aufgabe zu werden. Eine Fortsetzung der derzeitigen Koalition zwischen Die Linke, den Grünen und der SPD erscheint laut aktuellem Ergebnis nicht möglich. Innerhalb der CDU gibt es mittlerweile Stimmen, die eine Koalition mit Die Linke anstreben.
AfD-Vorsitzender Jörg Meuthen sieht im Ergebnis einen Beweis dafür, dass seine Partei von den durchschnittlichen Bürgern immer besser akzeptiert wird. Er verwies auf den Niedergang ehemaliger Volksparteien, auch in Thüringen, und auf den Aufstieg der AfD zur etablierten Kraft.

