Die Bekanntgabe des Unternehmens führte an der Frankfurter Börse zu einem Kurssprung: Die Baywa-Aktie stieg um mehr als 15 Prozent auf etwa 12,70 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Baywa-Aktien jedoch mehr als 60 Prozent ihres Wertes verloren.
In der ersten Version ihrer Empfehlungen kommen die Experten der Managementberatung Roland Berger zu dem Schluss, dass Baywa „unter bestimmten Umständen umstrukturiert werden kann und seine operative Wettbewerbsfähigkeit sowie Rentabilität mittelfristig wiederhergestellt werden können“. Das bedeutet, dass dies nur möglich ist, wenn auch eine zusätzliche Finanzierung von einer halben Milliarde Euro (von Staat, Banken und Aktionären?) bereitgestellt wird.
Zur möglichen Sanierung gehören „zahlreiche operative Einsparmaßnahmen“ und der Verkauf einzelner Unternehmensbereiche. CEO Marcus Pöllinger hatte bereits im Juni einen sozial verträglichen Stellenabbau angekündigt. Die Gruppe beschäftigt weltweit rund 25.000 Menschen, und ihr wichtigster Geschäftsbereich ist der Handel mit Agrarprodukten. Welche Unternehmensbereiche verkauft werden können oder müssen, wurde im ersten Bericht nicht bekanntgegeben.
Der Bericht enthält eine erste Skizze eines Restrukturierungsplans, der für das Überleben des Unternehmens entscheidend ist, das seit 2021 mit großen finanziellen Problemen kämpft. Ein Nettoverlust von 93 Millionen Euro im Jahr 2023 (allein an Zinsen!) stieg Anfang dieses Jahres bereits auf 108 Millionen Euro. Die Verschuldung des Unternehmens beträgt inzwischen mehr als 5,5 Milliarden Euro.
Dem Handelsblatt zufolge möchte Baywa seine Mehrheitsbeteiligung an der grünen Stromtochter Baywa re an seinen Schweizer Miteigentümer EIP verkaufen. Dies wurde vom Unternehmen nicht bestätigt. Es ist noch unklar, ob es personelle Konsequenzen für die Unternehmensleitung von Baywa geben wird.
Im vergangenen Monat konnte BayWa eine vorläufige Vereinbarung mit seinen wichtigsten Banken und Aktionären treffen, bei der eine kurzfristige Brückenfinanzierung von 550 Millionen Euro abgeschlossen wurde. Nun, da ein Restrukturierungsexperte verpflichtet ist und den ersten Bericht vorgelegt hat, wird erwartet, dass Banken und Finanziers bereit sind, weitere Überbrückungen zu ermöglichen.
Im Rahmen der Restrukturierung hat BayWa Michael Baur als Chief Restructuring Officer (CRO) ernannt. Baur, ein Experte für Unternehmensrestrukturierungen, wird zusammen mit dem Vorstand eine Strategie zur Reform des Unternehmens entwickeln.

