Vor einem Jahr führten Unzufriedenheit über die Abschaffung von billigem Diesel für landwirtschaftliche Traktoren zu großen Demonstrationen in ganz Deutschland. Obwohl diese Proteste einige Ergebnisse erzielten, betonte Rukwied, dass eine nachhaltige Veränderung gezielte Zusammenarbeit mit der Politik erfordere. „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, wieder auf die Straße zu gehen“, sagte Rukwied. Seiner Meinung nach müsse der Fokus nun darauf liegen, die Wahlkampagnen zu beeinflussen und die Agrarpolitik durch Dialog und Beteiligung zu steuern.
Rukwieds Aufruf kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt, da die deutsche Mitte-links-Dreierkoalition inzwischen durch uneinige Wirtschaftspolitik zerfallen ist. Gleichzeitig bleibt die Agrarpolitik ein heißes Thema.
Die ZKL-Zukunftskommission aus externen Experten hat kürzlich erneut für eine gründliche Modernisierung der Landwirtschafts- und Tierhaltungsbranche plädiert. Die Kommission drängt die Politik, schnell eine Entscheidung über die Finanzierung dieser Pläne zu treffen. Der DBV hat sich im Großen und Ganzen hinter diese Zukunftsvision gestellt, warnt jedoch, dass die Umsetzung stark von ausreichenden finanziellen Mitteln und einem stabilen Agrarhaushalt auf europäischer Ebene abhängt.
Rukwied skizzierte auch einige Kernpunkte, die seiner Meinung nach im aktuellen deutschen Wahlkampf Priorität haben sollten. So plädiert er für eine Steuer auf Agrardiesel, auf einem Niveau, das dem europäischen Durchschnitt entspricht.
Außerdem fordert er Aufmerksamkeit für den Abbau bürokratischer Lasten, die seiner Ansicht nach unakzeptabel hoch seien. Ebenso unterstreicht er die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen den Klimawandel, der die Agrarbranche zunehmend belastet, sowie die Bedeutung der Ernährungssicherheit als Grundlage für soziale Stabilität.
Der Bauernvorsitzende plädiert für eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) mit einer schrittweisen Abschaffung der Direktzahlungen innerhalb von fünf bis sieben Jahren, sofern Bedingungen gelockert werden. Dies sollte mit einem stärkeren Fokus auf Umweltschutz und Unterstützung junger Landwirte einhergehen.
Mit den bevorstehenden Bundestagswahlen steht der deutsche Agrarsektor offenbar an einem Scheideweg. Die Bauern sind aufgefordert, ihre Stimme zu erheben – nicht auf der Straße, sondern in der politischen Arena. Obwohl frühere Proteste laut Rukwied zur öffentlichen und politischen Bewusstseinsbildung beigetragen haben, sieht er jetzt mehr Chancen im Dialog. „Geht zu den Politikern und macht mit“, lautete sein Aufruf an die deutschen Bauern.

