Ein britischer Schweinefleischverarbeiter in Nordirland schließt seine Türen für einen vollständigen Gesundheitstest aller 500 Mitarbeiter nach einem "signifikanten" Ausbruch, bei dem 35 Arbeiter positiv auf Covid-19 getestet wurden.
Dadurch ist auch der Export der Niederlassung des Lebensmittelkonzerns Cranswick nach China zum Erliegen gekommen. Gerade gestern veröffentlichte Cranswick jubelnde Quartalszahlen und erklärte, das Unternehmen habe die Corona-Pandemie gut überstanden.
Es ist in Nordirland die erste große Fleisch verarbeitende Fabrik, die komplett geschlossen wurde, um einen Ausbruch einzudämmen. Cranswick sagte, dass negativ getestetes Personal sich 14 Tage isolieren müsse – was wahrscheinlich bedeutet, dass die Fabrik 14 Tage geschlossen bleibt. Die Gewerkschaft Unite erklärte, sie wolle die Zusicherung, dass die nach Hause geschickten Mitarbeiter kein Gehalt verlieren.
Ein Gewerkschaftssprecher sagte, die Fleischverarbeitungsbranche sei von der Pandemie schwer getroffen. „Dieser letzte Ausbruch bei Cranswick zeigt, dass die Probleme in der Branche trotz der seit Mai bekannten Risiken weiterhin nicht gelöst sind“, sagte er. Doch der nordirische Gesundheitsminister erklärte, der Ausbruch sei „sicherlich kein Einzelfall“ bei Cranswick. „Es gab Ausbrüche in ähnlichen Einrichtungen in England, Schottland, Wales und der Republik Irland“, sagte er.
Das Unternehmen teilte mit, dass es zu Beginn der Pandemie Maßnahmen zum Schutz des Personals ergriffen habe, darunter Abstandsregelungen, persönliche Schutzausrüstung (PSA) für alle Mitarbeiter sowie zusätzliche Reinigungs- und Hygienemaßnahmen auf dem gesamten Betriebsgelände. Gerade gestern hatte Cranswick positive Quartalszahlen bekanntgegeben.
Der Lebensmittel- und Schweinefleischkonzern verzeichnete während der Corona-Zeit einen Umsatzanstieg wegen der gesteigerten Konsumation zu Hause. Da Gastronomie und Restaurants geschlossen waren, kauften die Briten im Supermarkt mehr Lebensmittel für den Heimverzehr, was die geringeren Einnahmen aus dem Foodservice-Bereich bei Cranswick mehr als ausglich.
Der Produzent von Speck, Wurst, frischem Schweinefleisch und Huhn sagte, die Food-to-go-Sparte sei zwar stark von der Pandemie betroffen, aber die hohe Nachfrage im Einzelhandel habe diese Auswirkungen ausgeglichen. Der Quartalsbericht von Cranswick zeigte, dass der Umsatz in den 13 Wochen bis zum 27. Juni 2020 um 24,8 % höher lag als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Leistungen waren so stark, dass das Unternehmen sogar allen Fabrikmitarbeitern einen Bonus von 500 Pfund zahlen konnte.
Cranswick, das sowohl an die vier größten Supermarktketten des Vereinigten Königreichs als auch an Discounter wie Aldi und Lidl liefert, profitierte damit von einer bedeutenden Verschiebung der Verbraucherausgaben infolge der Lockdowns. Die Ausgaben für Lebensmittel stiegen in diesen Monaten um 7,3 Prozent, laut Daten, die im vergangenen Monat von KPMG und dem British Retail Consortium gesammelt wurden.

