Innerhalb des deutschen „radikalen“ Agrarverbundes Land schafft Verbindung (LsV) hat sich eine Spaltung vollzogen. In vier Bundesländern haben sich verärgerte Landwirte von ihrem Bundesverband abgespalten.
LsV organisierte in den letzten Jahren regelmäßig Demonstrationen und Blockaden mit hunderten Traktoren in deutschen Innenstädten. Ihre Kritik richtet sich nicht nur gegen die deutsche Politik, die Supermärkte und die Umweltbewegung, sondern auch gegen das Verhandlungsmodell des Deutschen Bauernverbandes (DBV).
Der LsV-Verband ist – wie viele andere Organisationen und Einrichtungen – in autonome Landesverbände aufgeteilt. Die LsV-Gruppen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern können sich nicht länger mit dem Tun und Lassen ihrer Bundesvertreter identifizieren und haben sich abgespalten. Die Interessen aller Regionalverbände konnten im Bundesverband nicht mehr zusammengeführt werden, heißt es in der Erklärung.
Innerhalb der Organisation schwelen bereits seit Monaten Meinungsverschiedenheiten und immer weiter auseinanderlaufende Strukturen, berichten die vier in einer gemeinsamen Pressemitteilung. In der Landwirtschaft und Viehzucht wird seit einigen Jahren heftig über klimaschonendere und umweltfreundlichere Agrarpolitik, weniger Boden- und Luftverschmutzung, Verbesserung des Tierschutzes sowie weniger Düngemittel und chemische Pflanzenschutzmittel diskutiert.
Sowohl die deutsche Koalition unter Kanzlerin Merkel und Ministerin Klöckner als auch die Opposition und die Expertenkommission Borchert haben dazu einschneidende Vorschläge vorgelegt. Diese sind derzeit unter anderem Thema der Kampagne für die Bundestagswahl Ende September.
Die vier unzufriedenen LsV-Landesverbände wollen sich „von dubiosen politischen Symbolen […] und jüngsten unüberlegten Aktionen gegen einzelne Politiker distanzieren“. Damit beziehen sie sich auf Aktionen lokaler LsV-Gruppen, die öffentlich die Zusammenarbeit mit der rechtsextremen AfD suchen. Außerdem lehnen sie das „Aufsuchen und Bedrohen“ von Landespolitikern ab.
Ein Aufruf, „Politiker zu vernichten“, wurde von einigen Verbänden unterstützt. Dies stehe laut den vier einer konstruktiven Dialogbereitschaft mit Politikern und Behörden im Wege. Zudem passen solche Aktionen ihrer Ansicht nach nicht zur Grundidee von LsV und beschädigen die Glaubwürdigkeit aller Landwirte.
Darüber hinaus kritisieren die Regionalverbände das Verhalten des Bundesverbandes bezüglich der kommenden Bundestagswahl. Kürzlich wurde unter den Mitgliedern eine Umfrage verteilt, die von Kritikern als Empfehlen und Verteufeln bestimmter deutscher Politiker und Parteien ausgelegt wird.
Für die Wahrung agrarischer Interessen sei die Zusammenarbeit mit anderen deutschen Agrarfachverbänden – wie dem Deutschen Bauernverband (DBV) – notwendig, meinen die vier LsV-Regionen. Den Bundes-DBV lehnen allerdings viele unzufriedene deutsche LsV-Bauern ab.
Verärgerte deutsche Landwirte werfen ihrem Bundesverband vor, zu viel an den Ministerien (in Berlin und in den sechzehn Bundesländern) an Besprechungstischen zu sitzen und zu wenig zu demonstrieren und mit Nachdruck aufzutreten. DBV-Vorsitzender Joachim Rukwied sagte kürzlich zu dem LsV-Vorwurf, dass Kompromisse und Entscheidungen eben nicht auf der Straße getroffen würden.

