In Deutschland ist ein Viehtransport von mehreren hundert KĂ€lbern nach Marokko zum Streitpunkt des anhaltenden politischen Konflikts um ein neues Tierschutzgesetz geworden. Aus Sorge um VerstöĂe gegen das Tierschutzrecht in Marokko will das Bundesland Niedersachsen den Transport von 270 Zuchttieren verbieten und verlangt von der Bundesregierung ein landesweites Verbot.
Niedersachsen hat die Transportgenehmigung entzogen, nachdem der Bundesrat die Regierung in Berlin zu einem Verbot von Viehtransporten in Nicht-EU-LÀnder aufgerufen hatte. Dieser Bundesrat hatte bereits im Februar eine Resolution verabschiedet, wonach die Kontrolle solcher Transporte nicht lÀnger (mangels Mittel und KapazitÀten) bei den BundeslÀndern bleiben könne.
Niedersachsen und Brandenburg sind in Deutschland noch fĂŒhrend, was den Export lebender Tiere in LĂ€nder auĂerhalb Europas betrifft. JĂ€hrlich werden etwa 22.000 KĂ€lber aus Niedersachsen und etwa 40.000 aus Brandenburg exportiert. Andere BundeslĂ€nder verbieten diesen Export teilweise bereits oder stellen besondere Anforderungen.
Promotion
In den vergangenen Jahren haben die meisten BundeslĂ€nder immer hĂ€ufiger kontroverse Tiertransporte in LĂ€nder wie Usbekistan, Marokko oder Kasachstan verboten. Sie befĂŒrchten, dass die Ruhezeiten der Tiere auf den langen Strecken nicht eingehalten werden oder dass es bei Zwischenstopps an Futter und Trinkwasser mangelt.
Die Frage nach regionalen oder landesweiten Gesetzen zur Modernisierung der Landwirtschaft und des Tierschutzes stellt die gröĂte HĂŒrde fĂŒr die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dar. Sie möchte nicht nur an der weitgehenden Regionalisierung der Agrarpolitik festhalten, sondern auch viele neue europĂ€ische MaĂnahmen bei den BundeslĂ€ndern ansiedeln.
Zudem will Klöckner die EinfĂŒhrung neuer Tierschutzregelungen den Landwirten und Viehhaltern nicht verpflichtend auferlegen, sondern auf eine freiwillige Regelung setzen. In den deutschen Medien Ă€uĂern viele Experten die BefĂŒrchtung, dass dann kaum etwas davon umgesetzt wird.
Die zunehmende Kritik lautet, dass diese BundeslĂ€nder zugunsten der deutschen Landwirte seit Jahren allerlei Ausnahmen ermöglichen. Innerhalb der Koalition aus CDU/CSU und SPD sind sich die Minister â nach vielen Debatten â zwar in groĂen Linien einig geworden, doch die SPD blockiert weiterhin.
Im Bundestag wird die SPD-Fraktion die âfreiwilligenâ VorschlĂ€ge Klöckners nicht unterstĂŒtzen, wurde in der vergangenen Woche bekannt. Die SPD will angesichts der Wahlen im September ihre HĂ€nde fĂŒr Koalitionsverhandlungen mit den GrĂŒnen und der liberalen FDP frei halten.
Den jĂŒngsten Umfragen zufolge benötigen CDU/CSU und SPD kĂŒnftig eine dritte Partei, um eine Mehrheit im Bundestag zu erreichen. Besonders die GrĂŒnen streben eine tiefgreifende Agrarreform mit mehr Verpflichtungen und weniger regionalen Ausnahmen an.

