Das Ergebnis der Abstimmung hat in Berlin große Eindrücke hinterlassen und wirft Fragen zur Stabilität der neuen Koalition auf.
Die neue „große“ Koalition aus CDU/CSU und SPD hat eine knappe Mehrheit im Bundestag. Ein Dutzend Mitglieder war abwesend. Bei der Abstimmung enthielten sich einige, und drei stimmten sogar dagegen. Da die Abstimmungen geheim und anonym sind, ist nicht bekannt, ob es sich dabei um SPD-Mitglieder oder Merz’ eigene Parteikollegen handelt.
Das fehlgeschlagene Abstimmungsergebnis zeigt laut Beobachtern, dass es keine stabile Mehrheit für das geplante Kabinett Merz gibt. Merz gab in einer kurzen Erklärung zu, dass das Ergebnis enttäuschend sei, bleibt jedoch fest entschlossen, weiterzumachen. Er kündigte an, sich mit den Parteiführern der Koalition zu beraten.
Die sozialdemokratische Parteiführung erklärte umgehend, sie unterstütze weiterhin den CDU-Kandidaten. Auch die Grünen betonten, dass sich die deutsche Politik angesichts der internationalen Spannungen keine Krise leisten könne. Die rechtsradikale AfD reagierte spöttisch auf die öffentliche Blamage für Merz, forderte seinen Rücktritt und erklärte, es müssten Neuwahlen stattfinden.
Nach dem Grundgesetz muss innerhalb von zwei Wochen eine zweite Abstimmung stattfinden; dabei können auch andere Kandidaten vorgeschlagen werden. Merz selbst möchte die zweite Abstimmung möglichst noch diese Woche durchführen. Innerhalb der eigenen CDU ist Merz nicht wirklich beliebt und gilt als Karrierist, der sich seit Jahren in den Parteirängen hocharbeitet.
Update 16:00 Uhr: Merz wurde am Dienstagnachmittag in einer angesetzten zweiten Abstimmungsrunde dennoch zum Kanzler gewählt.

