Die CDU/CSU-Fraktion betont, dass die ausgearbeiteten Empfehlungen der Borchert-Zukunftskommission „als Leitlinien zu verstehen sind, die auf gesellschaftlichem Konsens basieren“. Der Antrag erwähnt nicht die Kosten einer solchen Agrarwende und ob diese durch eine neue Fleischsteuer oder höhere Mehrwertsteuer auf Lebensmittel finanziert werden soll.
Neben der Tierhaltung behandelt der CDU-Fraktionsplan die Themen Wölfe, Düngeregelungen, Bürokratieabbau, Arbeitszeiten, Steuern, Mehrfachrisikoversicherungen, Bioenergie, Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und Pflanzenschutz.
Die CDU-Opposition hatte in den vergangenen Jahren viel Kritik an Vorschlägen von BMEL-Minister Cem Özdemir (Grüne) geübt, wenig eigene konkrete Vorschläge gegenübergestellt. Durch den Fall der Mitte-Links-Regierung aus SPD, FDP und Grünen müssen die CDU-Politiker nun sich umgehend eigene Alternativen präsentieren.
Die CDU-Bundestagsfraktion beabsichtigt, auf dem außerordentlichen Parteitag am 3. Februar dennoch einen gesonderten Landwirtschaftsabschnitt beschließen zu lassen. Dieser soll eine Art „Zwischenaktionsplan“ werden. Unter anderem wird vorgeschlagen, die umstrittene Steuerermäßigung für Agrardiesel nicht vollständig wieder einzuführen, sondern nur teilweise.
Es ist aber auch klar, dass viele derzeit gültige Gesetze und Regelungen aus den sechzehn Jahren stammen, in denen CDU-Minister das BMEL führten. Die Partei will die von SPD, FDP und Grünen eingeführte Einschränkung chemischer Pflanzenschutzmittel rückgängig machen. Außerdem plädiert die CDU für die Abschaffung teilweise doppelter Pflichtbetriebsführungen.
Wenn die Christdemokraten im Februar die Wahlen gewinnen und stärkste Partei werden, beansprucht die bayerische Schwesterpartei CSU bereits das BMEL-Ministerium. Die CSU sieht den bayerischen Milchviehhalter und Bauernverbandspräsidenten Günther Felßner als Nachfolger von Cem Özdemir.
Felßner sagte dem Nachrichtenmagazin Politico, dass er keinen Bruch mit der aktuellen Agrarpolitik sehe und auch die Erweiterung erneuerbarer Energien unterstütze, ähnlich dem Ansatz des Grünen-Ministers Özdemir. „Wir werden wieder eine Landwirtschaftspolitik haben, die Ökologie und Ökonomie zusammenführt“, erklärte Felßner.
Der CDU-Ministerpräsident des östlichen Bundeslandes Sachsen fordert, dass nach der Wahl keine neue Koalition mit den Grünen entstehen soll. Damit unterstützt Sachsen die Position des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Markus Söder. Demgegenüber ist CDU-Chef und Kanzlerkandidat Friedrich Merz nicht kategorisch gegen eine mögliche Koalition mit den Grünen.
Nach den neuesten Umfragen würden CDU/CSU mit über dreißig Prozent der Stimmen als Sieger aus der Wahl hervorgehen, gefolgt von der rechtsextremen AfD mit etwa 20 Prozent, der SPD mit rund 18 und den Grünen mit etwa 15 Prozent. Da CDU-Spitzenkandidat Merz bereits kategorisch ausgeschlossen hat, mit der AfD zu regieren, und weil CDU und SPD womöglich zusammen keine Mehrheit erreichen, könnte die Bildung einer Dreierkoalition notwendig werden.

