Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und seine Umweltminister-Kollegin Steffi Lemke erläuterten am Weihnachtswochenende in zwei großen Interviews mit deutschen Zeitungen ihre Zukunftspläne. Özdemir will mit seiner Politik dafür sorgen, dass die Preise für Lebensmittel und Agrarprodukte steigen.
„Für Lebensmittel darf es keine Schleuderpreise mehr geben; Ramschpreise treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierschutz, erschweren den Erhalt der Biodiversität und belasten das Klima“, sagte Özdemir der Bild am Sonntag.
Umweltministerin Steffi Lemke will den Einsatz chemischer Mittel in der Landwirtschaft drastisch verringern. Sie sagt, die meisten Landwirte seien dazu bereit, wenn ein besseres Verdienstmodell geschaffen werde.
„Ich gehe nicht davon aus, dass wir innerhalb einer Regierungsperiode von vier Jahren völlig ohne Pflanzenschutzmittel auskommen können. Aber wir benötigen eine erhebliche Reduzierung, wenn wir das Insektensterben stoppen wollen“, erklärte die Grüne Politikerin in den Zeitungen der Mediengruppe Funke (Sonntag).
Lemke kritisierte die Unterstützung der vorherigen deutschen Regierung für die kürzlich beschlossenen neuen europäischen GAP (Gemeinsame Agrarpolitik). „Wir müssen dringend aus diesem System der Flächenprämien heraus, die ohne ökologische Bewertung ausgezahlt werden. Wir werden uns jetzt schon auf eine Erneuerung dieser europäischen Agrarpolitik konzentrieren“, so die Grüne Politikerin.
Zum Abbau chemischer Mittel in der Landwirtschaft sagte Lemke, dass die Regierung dies auf zwei Wegen erreichen könne: durch Subventionen oder gesetzliche Verbote.
„Ich bin fest davon überzeugt, dass die meisten Bauern weniger Pestizide einsetzen wollen. In der Regel haben sie ein gutes Verständnis für biologische Zusammenhänge. Jahrzehntelang jedoch wurden Bauern durch die europäische Agrarpolitik in eine Zwangssituation gebracht: wachsen oder verlieren. Jährlich wurden hier Milliarden an Steuergeldern ausgegeben, ohne jegliche Verbesserung der biologischen Vielfalt oder unserer Wasserqualität.“
Landwirtschaftsminister Özdemir sagte, er wolle, dass die Deutschen ihr Essen genauso wertschätzen wie ihre Autos. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass gutes Motoröl wichtiger ist als gutes Salatöl“, sagte Özdemir. Lebensmittel werden wohl kein Luxusprodukt sein, aber der Preis müsse die ökologische Realität stärker widerspiegeln“, fügte er hinzu.

