In der deutschen Politik haben die liberale FDP und die Grünen informelle Gespräche über eine mögliche Beteiligung an einem Koalitionskabinett unter Führung der SPD oder der CDU/CSU begonnen. Um zu verhindern, dass sie in den Verhandlungen gegeneinander ausgespielt werden, bemühen sich FDP und Grüne nun so schnell wie möglich, ihre gegenseitigen Differenzen zu überbrücken.
Es hängt von beiden Parteien ab, ob sie sich der SPD in einer „Ampel-Koalition“ (rot-gelb-grün) anschließen oder mit CDU/CSU über eine „Jamaika-Allianz“ (schwarz-gelb-grün) verhandeln. Letztere Variante galt bereits in ersten Umfragen als unbeliebt, und nur eine Minderheit der Deutschen konnte sich für Laschet als künftigen Bundeskanzler begeistern.
Auch in der Frage des Kanzlers liegt Olaf Scholz klar vorn, doch stehen ihm nun zwei gestärkte und damit selbstbewusste Parteivorsitzende – Christian Lindner (FDP) und Robert Habeck (Grüne) – als Gegenpole gegenüber.
Im Bereich der Agrarpolitik trennen FDP und Grüne große Differenzen. Besonders bei ihrem Umgang mit dem Agrarsektor und allen damit verbundenen Themen bestehen deutliche Unterschiede. Die FDP vertritt das freie landwirtschaftliche Unternehmertum, beginnt jedoch, davon etwas Abstand zu nehmen. Die Grünen legen großen Wert auf Regulierung, sowohl in der Viehzucht als auch im Pflanzenbau.
Beide Parteien haben den weitreichenden Vorschlägen und Empfehlungen der (ehemaligen Ministerin) „Borchert-Kommission“ zugestimmt, bevorzugen jedoch unterschiedliche Finanzierungswege. Hier bestehen auch große Stolpersteine mit sowohl der SPD als auch der CDU.
Untersuchungen zeigen, dass die CDU/CSU überall Stimmen verloren hat, auch bei Landwirten. 2013 wählten noch 74 % der Bauern CDU/CSU, 2017 waren es noch 61 %, aktuell nur noch 48 %.
Agrarministerin Julia Klöckner verlor ihr Direktmandat im eigenen Wahlkreis Bad Kreuznach. Beobachter halten es für ausgeschlossen, dass Klöckner weiterhin Agrarministerin bleibt.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass bald wieder ein Minister der Grünen das Landwirtschaftsministerium in Berlin übernehmen wird. Mit Vize-Parteivorsitzendem Robert Habeck verfügen sie über einen Mann mit relevanter Erfahrung. Von 2012 bis 2018 war er Vize-Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Natur im Bundesland Schleswig-Holstein. Habeck gilt als Vertreter des "Realo"-Flügels der Partei.
Jedenfalls ruft der Deutsche Bauernverband zur schnellen Regierungsbildung auf. DBV-Vorsitzender Joachim Rukwied sagte, die "Bauern bräuchten politische Klarheit" mit Blick auf die EU-Agrarpolitik, Klimamaßnahmen oder mehr Tierschutz.

