Auch in der zweiten Live-Debatte im deutschen Fernsehen zwischen den drei Spitzenkandidaten wurde am Sonntagabend erneut kaum über die Landwirtschaft gesprochen, wohl aber viel über Klima, Energie und Steuern.
Am kommenden Sonntag findet die dritte und letzte Live-TV-Debatte vor dem Wahltag am Sonntag, den 26. September, statt. Die Debatte zwischen Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) zog – wie bereits in der Vorwoche – Millionen Zuschauer an.
Besucher der bauernfreundlichen Nachrichtenseite Agrarheute reagierten enttäuscht auf den Mangel an Aufmerksamkeit für ihren Wirtschaftszweig. Bereits seit einigen Monaten liegt in der deutschen Politik ein weitreichender Plan zur landwirtschaftlichen Modernisierung auf dem Tisch (die Borchert-Zukunftskommission), doch in dieser Frage unterscheiden sich die Parteien bisher grundlegend; und zwar nicht nur hinsichtlich des Ausmaßes der Eingriffe, sondern auch bezüglich deren Finanzierung.
Diese Bundestagswahl wird nicht nur darüber entscheiden, wer als Bundeskanzler Angela Merkel nachfolgt, sondern auch darüber, welche drei Parteien gemeinsam eine Regierungskoalition bilden können.
Dadurch kommen fünf Parteien infrage, die sich bei den Wählern nur geringfügig unterscheiden. Wegen der großen Meinungsverschiedenheiten zur Landwirtschaft könnten allzu eindeutige Positionen dazu führen, dass sich eine Partei selbst aus dem künftigen Koalitionsmarkt ausschließt. Deshalb hat derzeit jeder ein Interesse daran, möglichst wenig zu sagen.
Die CDU legte am vergangenen Wochenende einen eigenen Finanzierungsvorschlag für die angestrebte Modernisierung vor. Ähnlich wie die Borchert-Kommission setzt dieser vor allem auf eine Erhöhung der Lebensmittelsteuer, um die Modernisierung in Fleischindustrie und Landwirtschaft finanzieren zu können. Doch jede der Parteien hat ihre eigenen Finanzierungsideen, und niemand möchte vorab die Bauern oder Hausfrauen gegen sich aufbringen.
Viele Agrarheute-Leser sprachen jedoch ihre Präferenz für Armin Laschet aus (46 %). Meinungsumfragen von zwei deutschen Fernsehsendern zeigten hingegen, dass Olaf Scholz mit über 40 % der Zuschauer klar als Favorit galt, gefolgt von Laschet (27 %) und Baerbock (25 %) deutlich dahinter. Auf die Frage, wer im anderthalbstündigen TV-Auftritt am sympathischsten wirkte, lag Baerbock in beiden Umfragen vorn, Laschet am Ende.
Laschet und Scholz führten eine hitzige Debatte über den Klimaschutz. Sie warfen sich gegenseitig vor, wichtige Maßnahmen zu blockieren. Baerbock machte deutlich, dass mit dem derzeitigen Tempo der CDU/CSU-SPD-Koalition die Klimaziele eindeutig nicht erreicht werden.

