Bundeskanzlerin Angela Merkel ist entsetzt über die Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischindustrie. In wenigen Tagen wird Arbeitsminister Hubertus Heil Maßnahmen für die Branche ankündigen.
Minister Heil sagte in einer Debatte im Bundestag, dass er in der Branche aufräumen wolle. „Wir dürfen nicht länger zusehen, wie Menschen aus Bulgarien und Rumänien hier ausgebeutet werden.“
Letzte Woche wurden mehrere Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen bekannt. Die Mitarbeiter, darunter viele osteuropäische Saisonarbeitskräfte, sind zumeist in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, in denen sie sehr dicht beieinander wohnen. Ein Problem sei laut vielen Politikern, dass diese Mitarbeiter nicht direkt bei den Schlachthöfen angestellt sind, sondern über Subunternehmer arbeiten.
Minister Heil sagte, in den letzten Jahren sei zu stark bei den Kontrollen der Arbeitsbedingungen gespart worden. Er möchte Vereinbarungen über bessere Kontrollen treffen und betonte, dass dafür auch mehr Personal verfügbar sein müsse.
Im Dorf Coesfeld können aufgrund des Corona-Ausbruchs die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen noch nicht in Kraft treten. Am Montag hätten die Restaurants wieder öffnen sollen, doch das ist nicht erfolgt. Alle mehr als tausend Mitarbeiter des Unternehmens Westfleisch wurden getestet: Mindestens 260 Mitarbeiter sind infiziert. Das Unternehmen wurde am Freitag geschlossen.
In Bad Bramstedt werden 122 Covid-19-Infektionen im Schlachtunternehmen Vion in Verbindung gebracht. Das Bundesland Schleswig-Holstein lässt das gesamte Personal aller Schlachtbetriebe testen. Sämtliches Personal, das in der Gemeinde Segeberg wohnt, wurde unter Quarantäne gestellt, und auch die Unterkunft in Kellinghusen, eine ehemalige Kaserne der Bundeswehr, steht unter Quarantäne. Auch Nordrhein-Westfalen testet das gesamte Personal der Schlachthöfe. Es handelt sich um 20.000 Mitarbeiter.

