Dass die Programme so begrenzt sind, liegt vor allem am Zeitdruck nach dem überraschenden Zusammenbruch der Mitte-Links-„Ampelkoalition“ von SPD, FDP und Grünen. Außerdem sind viele Pläne eingeschränkt, da nicht so sehr die Bundesregierung in Berlin darüber entscheidet, sondern vor allem die regionalen Landesregierungen. Die Formulierung neuer Politik ist in Deutschland oft eine Frage von Absprachen und Kompromissen mit den sechzehn Landesregierungen.
Die CDU/CSU unter Führung von Friedrich Merz will den im letzten Jahr abgeschafften günstigen Agrardiesel wieder (größtenteils) einführen. Er hofft damit die Stimmen der unzufriedenen und protestierenden deutschen Bauern zu gewinnen. CDU/CSU sagt die Agrarwende, wie sie von der ZKL-Zukunftskommission vorgeschlagen wurde, zu unterstützen, macht aber keine konkreten Vorschläge.
Merz betont ferner die Bedeutung der Bürokratieabbau. Er plädiert für ein Moratorium bei neuen Regeln. Zudem will CDU/CSU, dass sich Deutschland in der EU für weniger detaillierte Vorschriften einsetzt, damit die EU-Länder mehr Freiheit bei der Gestaltung der Politik erhalten.
Andere Parteien wie die rechtsradikale AfD und der Neueinsteiger Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wollen ganz oder größtenteils aus der EU austreten. Die AfD betont die Bedeutung nationaler Souveränität und lehnt EU-Regelungen ab. Außerdem wollen sie die militärische Unterstützung für die Ukraine vollständig einstellen.
Die SPD des Bundeskanzlers Olaf Scholz strebt eine „digitale und bürokratiearme“ Landwirtschaft an. Die SPD-Mitglieder wollen die Agrarsubventionen (wie die EU) reformieren: von Flächenprämien zu Einkommensförderung. Konkrete Vorschläge zur Reform der Tierhaltung oder Anpassung der Düngeregelungen fehlen allerdings auch in ihrem Programm.
Die Grünen hingegen legen den Schwerpunkt auf Investitionen in umweltfreundliche landwirtschaftliche Praktiken und bringen erneut die ZKL-Vorschläge zur Sprache. Sie wollen Steuererhöhungen für Reiche, um diese grüne Wende zu finanzieren, und eine Anhebung des Mindestlohns auf 15 €.
Die FDP, traditionell Befürworter freier Marktprinzipien, hat sich kritisch zu Versuchen geäußert, die Schuldenbremse zu lockern. Sie betonen die Bedeutung von Haushaltstransparenz und sind zurückhaltend bei der Ausweitung staatlicher Ausgaben.
Die Linke hat sich gegen Freihandelsabkommen wie das Mercosur-Abkommen ausgesprochen, aus Sorge um die Auswirkungen auf lokale Bauern und Umweltstandards. Die Linke will die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel abschaffen. BSW will den Import von russischem Gas wieder aufnehmen und sogar die Nordstream-2-Pipeline reparieren und wieder in Betrieb nehmen.
Aus den jüngsten Meinungsumfragen geht hervor, dass CDU-Chef Friedrich Merz vor zwei Wochen nicht allzu großen Schaden durch seinen gescheiterten Versuch genommen hat, mit Unterstützung der rechtsextremen AfD eine Verschärfung der Asylpolitik durchzusetzen.
Diese Umfragen zeigen, dass CDU/CSU etwa dreißig Prozent der Stimmen erzielen kann, dass Alternative für Deutschland (AfD) auf etwas über zwanzig Prozent kommt, SPD und Grüne jeweils rund fünfzehn Prozent. FDP, BSW und Linke schwanken jeweils um die Fünf-Prozent-Hürde.
Es gibt allerdings große regionale Unterschiede im Wählerverhalten. In den drei östlichen Bundesländern (dem früheren Ostdeutschland) können die rechtsradikale AfD und der Neueinsteiger BSW zusammen eine Mehrheit erreichen, während ihre Gesamtstimmenzahl in der gesamten Bundesrepublik deutlich geringer ist.
CDU-Chef Merz hat eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass für eine Mehrheit drei Parteien nötig sind. In diesem Fall wird die Frage sein, ob CDU und SPD mit den Grünen oder mit den unerfahrenen Neueinsteigern von Sahra Wagenknecht zusammenarbeiten.
Die konservativen CDU-Mitglieder in Bayern wollen auf keinen Fall mit den Grünen koalieren und haben bereits einen eigenen Kandidaten für das Landwirtschaftsministerium (BMEL) vorgeschlagen. Aber der designierte Kanzler Merz hat eine Koalition mit SPD und Grünen nicht ausgeschlossen.

