Hunderttausende Arbeitsmigranten in Niederlande kommen derzeit nicht für eine Impfung gegen Covid-19 in Frage, da sie bei der Gemeinde, in der sie sich aufhalten, nicht registriert sind. Das berichtet die Tageszeitung Trouw in Zusammenarbeit mit dem journalistischen Recherchekollektiv Investico.
Ausländische Saisonarbeitskräfte sind nicht im landesweiten Impfprogramm aufgenommen, obwohl viele ihre verpflichtende Krankenversicherung zahlen. Nur Personen, die von Gemeinden im Basisregistrierungssystem der Personen (BRP) registriert sind, werden zu einer Impfung eingeladen. Arbeitsmigranten sind meistens nicht bei einer Gemeinde gemeldet, da ihr Aufenthalt in den Niederlanden meist nur von kurzer Dauer ist.
Medizinische Fachkräfte sagen, dass Arbeitsmigranten unbedingt gegen Corona geimpft werden sollten, da sie oft in größeren Gruppen zusammenwohnen und dadurch einem höheren Risiko ausgesetzt sind. Sie verweisen auf die Situation im letzten Jahr bei einigen Schlachthöfen in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.
Ein Logistikmitarbeiter auf Schiphol wies kürzlich darauf hin, dass weder er selbst noch die Personen, mit denen er in einer vom Arbeitgeber eingerichteten Unterkunft lebt, bei einer Gemeinde gemeldet sind. Nur wenige besitzen einen DigiD für den Zugang zu vielen Regierungsdiensten.
Die Gewerkschaft FNV hält es für inakzeptabel, dass diese Gruppe vom Covid-19-Impfstoff ausgeschlossen wird. Die Gewerkschaft wird das Ministerium für Gesundheit dazu drängen, diesem Thema Aufmerksamkeit zu schenken, sagte die stellvertretende Vorsitzende Kitty Jong gegenüber Trouw. „Diese Menschen arbeiten oft in systemrelevanten Berufen und verdienen denselben Schutz wie alle anderen. Es zeigt einfach, dass sie in den Niederlanden immer noch zu oft als Bürger zweiter Klasse betrachtet werden.“

