Der anti-europäische britische Politiker Nigel Farage hat beschlossen, dass seine Brexit-Partei bei den Parlamentswahlen in Wahlkreisen, in denen die Konservative Partei stark ist, nicht antreten wird. Er wird nur in Wahlkreisen Kandidaten aufstellen, in denen viele unzufriedene Labour-Wähler leben. Auf diese Weise möchte Farage verhindern, dass Parlamentssitze an die pro-europäische Opposition gehen, da sich die anti-europäische Brexit-Partei und die Konservativen gegenseitig bekämpfen würden.
Farage zielt dabei vor allem auf die größten Oppositionsparteien Labour und Liberal Democrats (Lib Dems) ab. Letztere Partei hat sich gegen den Brexit ausgesprochen, während Labour-Chef Jeremy Corbyn das britische Volk mit einem zweiten Referendum erneut über die Frage abstimmen lassen möchte.
Durch Farages Entscheidung hat die Brexit-Partei keine Chancen auf 317 der insgesamt 650 Sitze im britischen Parlament. Damit vollzieht er eine deutliche Kehrtwende im Vergleich zu noch vor kaum einer Woche, als er zu Beginn des Wahlkampfs sagte, die Brexit-Partei habe Hunderte Kandidaten aufgestellt. Aufgrund der Entscheidung der Brexit-Partei sind die Konservativen unter Johnson in vielen Wahlkreisen die einzige Partei mit einem Kandidaten, der für den Austritt aus der EU ist.
Farage gab außerdem an, monatelang versucht zu haben, eine Allianz zwischen den Konservativen und seiner Brexit-Partei zu schmieden. Eine solche Zusammenarbeit wurde jedoch von Premierminister Johnson entschieden abgelehnt, da er befürchtete, dass dies seine Partei schwächen würde. Farage ist in der britischen Politik nicht nur ein vehementer Anti-Europäer, sondern für viele Briten auch weiterhin der Gründer der UKIP-Partei, die in den vergangenen Jahren in rechtsextremen Fahrwasser geraten ist.
Vorläufig will sich die Brexit-Partei vollständig auf Wahlkreise konzentrieren, die von Labour gehalten werden. Nach Farages Angaben hat die größte Oppositionspartei ihr Versprechen gegenüber den Wählern gebrochen, weil Corbyn das Ergebnis des ersten Brexit-Referendums von 2016 nicht mehr respektiert.
Ein Wahlsieg für Labour scheint durch Farages Entscheidung weiter außer Reichweite zu rücken. In den Umfragen machte Corbyns Partei in der letzten Woche einen guten Eindruck und verringerte langsam den Rückstand auf die Tories, liegt aber immer noch 12 Prozentpunkte hinter den Konservativen. Die Meinungsumfragen in Großbritannien zeigen aufgrund des Mehrheitswahlrechts im Distriktwahlverfahren erhebliche Unterschiede in ihren Prognosen.
Die erste Fernsehdebatte zwischen Johnson und Corbyn findet heute Abend/am Dienstag statt. Labour möchte, dass die Debatte vor allem über andere Themen als lediglich über ein Ja oder Nein zum EU-Austritt geführt wird. Johnson dagegen diskreditiert Corbyn nahezu permanent mit dessen Zögern bei den EU-Schritten.

