Frankreich leidet unter dem schlimmsten Ausbruch der Vogelgrippe in der französischen Geschichte, da eine neue Infektionswelle nun die Geflügelproduktionszentren im Loire-Tal und in der Bretagne erreicht hat. Nach Angaben des französischen Landwirtschaftsministeriums wurden in den letzten sechs Monaten bei mehr als tausend Ausbrüchen 12,1 Millionen Tiere getötet.
Die Vogelgrippe, verursacht durch Zugvögel, befiel letzten Herbst alle 27 EU-Länder mit Ausnahme von Malta und Zypern. Während die Epidemie laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ende März nahezu überall praktisch verschwunden war, breitete sich die Vogelgrippe im letzten Monat in Frankreich erneut schnell aus. Rund 4 Millionen Gänse und Enten wurden im Südwesten des Landes Opfer.
Seit Oktober letzten Jahres wurde das Virus in den EU-Ländern bereits tausendfach bei Wildvögeln nachgewiesen und hunderte Ausbrüche bei Haustieren (Privat- und Gewerbehaltung) gemeldet. Außerdem wurde das Virus in mehreren Ländern auch bei Säugetieren gefunden: bei Füchsen in den Niederlanden und Finnland, bei Seehunden in Deutschland und Schweden sowie bei Ottern in Finnland.
Deutsche Forscher des FLI stellen fest, dass Europa noch nie einen derart schweren Ausbruch der Vogelgrippe erlebt hat. Früher trat das Virus vorwiegend in Ländern mit vielen offenen Gewässern auf, wie den Niederlanden. Dies geschah meist nur während der Zugvogelzeit, also in den letzten Monaten des Jahres. Jetzt kommt das Virus auch in trockeneren Gebieten vor und ist das ganze Jahr über präsent.
Nach Angaben des französischen Landwirtschaftsministers Julien Denormandie ist die Impfung langfristig das einzige wirkliche Mittel gegen die immer wiederkehrende Tierseuche. Er hat bereits Gespräche mit der Geflügelbranche über erste Versuche geführt. Seiner Meinung nach sollte die Anwendung von Impfstoffen kein Tabu sein, da es keine alternativen Lösungen für die langfristige Bekämpfung gibt.
In Frankreich müssen in letzter Zeit so viele Höfe geräumt werden, dass in manchen Fällen kein Personal verfügbar ist. Züchter haben in solchen Fällen die Erlaubnis erhalten, die Luftzirkulation in den Ställen auszuschalten, sodass die zehntausenden Tiere qualvoll ersticken.
Diese Praxis, die nur im westlichen Teil des Landes erlaubt ist, wo etwa 25 % des Geflügelbestands gehalten wird, steht unter Kritik von Bauernverbänden und Tierschutzaktivisten. In Frankreich wird Geflügel am häufigsten mit Hilfe von Euthanasie getötet, wobei spezielle Gaseinheiten verwendet werden, die das Leiden der Tiere verhindern.
Pharmaunternehmen arbeiten bereits an einem Impfstoff gegen das Virus, doch nicht alle Länder sind dafür. Es gibt Bedenken bezüglich der Sicherheit von Fleisch und Eiern von geimpften Hühnern und Enten. Doch da sich das Virus so schnell ausbreitet, sehen immer mehr Länder die Notwendigkeit. Auch der niederländische Minister Henk Staghouwer setzte sich Anfang dieses Jahres bei einer EU-Ministerkonferenz bereits für eine Impfung gegen die Vogelgrippe ein.

