Wegen der anhaltenden extremen Trockenheit im Süden Europas wird nun bereits zum dritten Mal in Folge mit kleineren Ernten bei den Winterfrüchten gerechnet.
In mehreren Ländern wurden Bewässerungsverbote verhängt, Flüsse trocknen nahezu aus, und sogar die Trinkwasserversorgung fällt aus. Die italienische Landwirtschaftsorganisation Coldiretti erklärte, dass 30 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion gefährdet seien.
In der mediterranen Landwirtschaft ist das Ertragspotenzial von Weichweizen in 13 der 25 EU-Länder gesunken, am stärksten in Frankreich, Ungarn, Polen und Rumänien. In Italien und Spanien hat das extrem warme und trockene Wetter auch negative Auswirkungen auf Sommerfrüchte wie Mais und Sonnenblumen.
Nach dem MARS-Bulletin (Monitoring Agricultural Resources) des wissenschaftlichen Dienstes der Europäischen Kommission (JRC Joint Research Centre) liegen die Prognosen für den Hektarertrag von Weichweizen bereits 2,2 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt, und die von Hartweizen (Durum) um 4,7 %.
Südwesteuropa erlebte in der vergangenen Woche eine ungewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle. An der französischen Küste in Biarritz wurde eine Temperatur von bis zu 42,9 Grad gemessen. In San Sebastián (Nord-Spanien) stieg das Thermometer sogar auf 43,5 Grad. Auch für Südwesteuropa sind das außergewöhnlich hohe Temperaturen, vor allem so früh im Sommer.
Die spanischen Wasserreservoirs sind im Durchschnitt nur zu Hälfte ihrer üblichen Kapazität gefüllt. Die Lage in Andalusien im Süden Spaniens ist außerordentlich ernst. Dort betragen die Reserven lediglich 35 % ihrer Kapazität.
Im Norden Italiens hat die Provinz Lombardei aufgrund der Trockenheit den Notstand ausgerufen. Die Landwirtschaft vor Ort nutzt intensiv Flusswasser. Die Trockenheit im landwirtschaftlichen Po-Delta ist die schlimmste seit 70 Jahren.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa wird Wasser bereits in über 200 Gemeinden im Nordwesten Italiens rationiert. Der Wasserstand des Lago Maggiore und des Gardasees ist deutlich niedriger als sonst zu dieser Jahreszeit, und auch der Tiber, der durch Rom fließt, führt wenig Wasser.

