Im dritten Jahr in Folge könnten die Ernteverluste in Polen durch die anhaltende Trockenheit größer sein als im Vorjahr. Die trockenen Äcker in Polen ähneln der Situation in der Ukraine und Rumänien, sind jedoch schlechter dran als in Österreich und der Schweiz.
Viele polnische landwirtschaftliche Betriebe könnten dadurch in eine schwierige Lage geraten, sagte Agraranalyst Mariusz Dziwulski in einem Interview mit der polnischen Nachrichtenagentur PAP. Der PKO-Analyst erklärte, dass es nun schon das dritte Trockenjahr in Folge sei, sodass die Verluste größer als im Vorjahr ausfallen könnten, falls sich nichts ändert.
Er wies darauf hin, dass laut dem Trockenheitsmonitoring der Europäischen Kommission die Bodenfeuchtigkeit in Polen geringer sei als 2019. Er stellte fest, dass dies eine äußerst ungünstige Lage für polnische Bauern darstellt, da dies bedeuten könne, dass viele landwirtschaftliche Betriebe sich in einer sehr schwierigen Situation befinden.
„Die Kontinuität einiger Betriebe, insbesondere in Westpolen, ist bedroht, da dort die Trockenheit im letzten Jahr am stärksten war. Wir sprechen dabei vor allem von Kulturen, die weniger Bewässerungssysteme haben, etwa bei Getreide oder Gemüse, während relativ mehr polnische Obstproduzenten in die Einrichtung von Bewässerungssystemen investiert haben. 2018 gab es in Polen auch Trockenheit, dennoch war die Obsterte sehr hoch, bei Äpfeln sogar rekordverdächtig“, bemerkte er.
„Das, was auf dem Inlandsmarkt geschieht, hat auf einige Produkte relativ wenig Einfluss auf das Preisniveau. Wenn die Welternte, beispielsweise bei Getreide, hoch ist, verlieren polnische Bauern doppelt – durch geringere Erträge und durch niedrigere Preise. Die Preise sinken, obwohl die Ernteerträge vergleichbar sind.“
„Das könnte dazu führen, dass die Weizenernte kleiner ausfällt als im Vorjahr. Die Lage verschärft sich zunehmend, denn betrachtet man die Trockenheitskarten, kämpft derzeit auch Westeuropa mit Niederschlagsmangel. Das ukrainische Landwirtschaftsministerium will vorsorglich die Maisausfuhr dieses Jahr auf 29,3 Millionen Tonnen begrenzen, doch gemäß der Ukrainischen Getreidevereinigung (UGA) ist das nicht notwendig. Laut den Getreideproduzenten muss trotz Trockenheit und Coronakrise nicht vor Inlandsengpässen gefürchtet werden, berichtet die ukrainische Nachrichtenagentur Interfax. Zuvor hatte die Ukraine bereits ein Ausfuhrmaximum für Weizen festgesetzt.
Außerdem ist die Marktsituation so, dass der Preis für ukrainischen Mais um fast 25 bis 30 Dollar höher liegt als der Preis seiner Konkurrenten aus Argentinien und den Vereinigten Staaten. Daher erwartet die UGA in naher Zukunft einen weiteren Rückgang der Maisexporte. Deshalb sieht die UGA keinen Mangel an Mais auf dem Inlandsmarkt“, so die UGA.
Meteorologen und andere Fachleute sagen, die Trockenheit sei eine Folge der Erderwärmung, so auch der belgische Hydrologe Patrick Willems von der KU Leuven. „Die Atmosphäre erwärmt sich. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Sie sättigt sich daher langsamer. Das hat zur Folge, dass Trockenperioden länger anhalten, aber der Regen danach heftiger und intensiver ist. Auch die Winter werden wahrscheinlich nasser werden.“
Auf das Jahr gerechnet muss die Niederschlagsmenge somit nicht sinken. Das Problem ist, dass das Wasser zu diesen Spitzenzeiten schnell abgeführt wird – vor allem in dicht besiedelten, industrialisierten Ländern mit viel Bebauung, Straßenversiegelung und Pflasterungen.

