Die marokkanische Landwirtschaft, insbesondere der Getreideanbau, leidet in diesem Jahr viel stärker unter Wassermangel als unter Corona. Erste landesweite Untersuchungen zeigen, dass die Corona-Pandemie große negative wirtschaftliche Folgen hat.
Die Wirtschaft schrumpfte um fast -14 %, fast 600.000 Arbeitsplätze gingen verloren, und der Wert des auf Export ausgerichteten Außenhandels sank um -20 %. Der Rückgang der Agrar-Exporte blieb dagegen auf 6,4 % begrenzt, was vor allem auf einen zunehmenden Wassermangel für die Bewässerung in der Landwirtschaft zurückzuführen ist.
Die letzten drei Jahre waren in Marokko außergewöhnlich trocken, berichtet der Landwirtschaftsberater der niederländischen Botschaft in Rabat. Besonders die aktuelle Wasserstandsituation in den Wasserspeichern bereitet Sorgen für die kommenden Ernten.
Marokko musste in diesem Jahr so viel Getreide importieren wie nie zuvor, nachdem die Ernte aufgrund fehlender Regenfälle im Frühjahr um -42 % zurückgegangen war. Da nun noch weniger Wasser zur Verfügung steht, wird auch in den kommenden Monaten zusätzlicher Getreideimport erwartet.
Das unbeständige Klima mit langen Trockenperioden macht der Landwirtschaft große Probleme. Der Ruf nach effizienterer Wassernutzung in der Landwirtschaft ist groß, ebenso wie die Notwendigkeit, die enormen Verluste in der Wasserversorgung zu verringern. Auch die Wiederverwendung von Abwasser in der Landwirtschaft verdient Beachtung. Die Versalzung der Böden durch falsche Wassernutzung und Überdüngung bedroht nach Angaben von Experten an vielen Stellen den marokkanischen Land- und Gartenbau.
Die Küstengebiete im Norden und Westen erhalten den meisten Regen, während die südlichen Gebiete wie Agadir und Marrakesch viel stärker auf Bewässerung aus Stauseen und teilweise aus unterirdischen Quellen angewiesen sind.
In den vergangenen drei Jahren ist die Auffüllrate der marokkanischen Stauseen von 57 % auf 40 % gesunken. Besonders dramatisch ist der Pegel in den südlichen Becken, wie der Region Agadir, der auf 15 % gefallen ist. Auch in der Region Marrakesch ist das Niveau auf 17,7 % gesunken.
Derzeit verfügt Marokko über etwa 150 größere Stauseen mit einer Gesamtkapazität von 18 Milliarden Kubikmetern. In den nächsten 30 Jahren werden weitere 10 Stauseen am größten Fluss des Landes, dem Oued Sebou in Zentralmarokko, gebaut. Zusätzlich wird derzeit südlich von Agadir eine große Entsalzungsanlage errichtet.

