Bei deutschen Landwirten ist die christdemokratische CDU/CSU nicht mehr die beliebteste Partei, wie eine neue Meinungsumfrage zeigt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist nun die liberale FDP die bevorzugte Partei unter deutschen Landwirten, mit etwa 24 Prozent. Die CDU/CSU kommt bei möglichen Neuwahlen aktuell nicht über 18 Prozent hinaus.
Die neue Umfrage wurde im Februar durchgeführt, kurz nachdem die deutsche Koalitionsregierung einem strengeren Tierschutzgesetz zugestimmt hatte. Bei zwei vorherigen Regionalwahlen zeigte sich bereits, dass deutsche Landwirte der CDU weniger treu sind. Im Februar gab es zudem zahlreiche landwirtschaftliche Proteste in deutschen Städten.
Bemerkenswert ist, dass fast vier von zehn (37%) Landwähler noch keine Präferenz geäußert haben und unentschieden sind. Angesichts des strengeren Tierschutzgesetzes, der angekündigten Einschränkungen bei der Ausbringung von Dünger und anstehenden Veränderungen in der Landwirtschaft ist es unwahrscheinlich, dass zögerliche deutsche Landwirte zur CDU/CSU zurückkehren werden.
Außerdem hat die Parteiführung in der vergangenen Woche beschlossen, an der Kanzlerkandidatur des Parteivorsitzenden Armin Laschet festzuhalten, als Nachfolger der scheidenden Angela Merkel. Laschet ist außerhalb seines eigenen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen kaum bekannt. Dies wird in vielen deutschen Kommentaren nicht als Stimmenmagne betrachtet.
Die rechtsextreme AfD liegt mit 14 % auf dem dritten Platz. Die zentristisch-linke SPD ist unter deutschen Landwirten weiterhin kaum präsent, ebenso wenig wie die linksradikale Partei Die Linke, beide mit weniger als 5 %.
Die Grünen erreichen bundesweit 6 % der Stimmen bei Landwirten, sind aber in einigen Bundesländern mit etwa 20 Prozent die zweitstärkste Partei. Zudem bieten sie mit ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock eine attraktive Alternative zu den beiden alten, grauen Herren zweier „regierungsabgewickelter“ Parteien.
Die Bundestagswahl am 26. September wird damit auch im Agrarsektor immer wichtiger. Aufgrund der schlechten Umfragewerte für sowohl CDU/CSU als auch SPD ist es höchst unwahrscheinlich, dass die derzeitige Große Koalition weiterregieren kann. In diesem Fall erhält Deutschland eine Koalition aus drei Parteien.
Damit liegen in mehreren Bundesländern bereits gute Erfahrungen vor. Die große Frage ist jedoch, welche drei Parteien: die aktuellen zwei plus eine (Liberale oder Grüne) oder eine der aktuellen plus zwei Neue (Liberale und Grüne). Im letzteren Fall könnte die CDU/CSU sogar in die Opposition geraten. Zudem ist auch eine linke Mehrheit aus SPD, Grünen und Die Linke weiterhin möglich.

