Das unabhängige britisch-niederländische Recherchekollektiv Bellingcat berichtet, dass der russische Militärgeheimdienst GRU aktiv niederländischen Internetseiten und Journalisten Propagandamaterial für eine Desinformationskampagne über den Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 liefert.
Plattformen und Journalisten, die sich als unabhängige Forscher ausgeben, erhalten nicht nur Material, sondern legen ihre Artikel und eigene Arbeiten auch vor der Veröffentlichung der GRU vor, so Bellingcat.
Unter anderem sollen die ehemalige RT-Journalistin Yana Yerlashova und der niederländische Journalist Max van der Werff laut Bellingcat regelmäßig mit der GRU in Kontakt stehen, berichtet das Wochenmagazin De Groene.
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Ein Meinungsartikel, den der freie Journalist Eric Van de Beek für Bonanza Media (von Yerlashova und Van der Werff) schrieb, wurde laut Bellingcat von Yerlashova vor der Veröffentlichung zur Endredaktion an einen GRU-Mitarbeiter weitergeleitet. Van de Beek erklärte als Reaktion, er sei über die Anschuldigungen nicht überrascht: „Wenn man als Journalist mächtige Interessen berührt, sieht man sich Angriffen ausgesetzt, indem man verdächtigt und lächerlich gemacht wird.”
Die Rechercheplattform erklärt, dass alle E-Mails und Telefoninformationen, die sie erlangt hat, überprüfbar sind. Die Ermittler stützen sich auf durchgesickerte Mailboxen von zwei ranghohen GRU-Offizieren sowie deren Telefongespräche, berichtet De Groene in einer ausführlichen Analyse der Bellingcat-Untersuchung.
Das Wochenmagazin De Groene erläutert, dass die Endredaktion durch die GRU für niederländische Verhältnisse beispiellos ist: „Dem ehemaligen Elsevier-Journalisten Eric van de Beek, inzwischen Autor bei Bonanza und der Verschwörungszeitung De Andere Krant, wurden auf diesem Weg mehrere Texte in Moskau vorgelegt. In einigen Fällen scheint es, als seien ganze Sätze hinzugefügt worden. Dass russische Spione derart tiefgreifenden Einfluss darauf haben, was Aktivisten und Bürgerjournalisten schreiben, ist ein einzigartiges Beispiel für Einmischung in Niederlande."
Im De Groene äußerte sich Thomas Bruning, Generalsekretär des Journalistenverbandes NVJ, schockiert über die Ergebnisse. Eine Pressekarte, die Van der Werff verwendet, um als Journalist ernst genommen zu werden, wurde vom NVJ nicht verlängert. „Der Grund dafür war, dass er nicht klar nachweisen konnte, dass er unabhängig sein Geld verdient“, so Bruning.

