Es wird nicht einfach sein, die Ziele des europäischen Green Deal zu erreichen, wenn die derzeit strenge europäische Gesetzgebung gegen die Zulassung neuer Züchtungstechnologien wie CRISPR-Cas bestehen bleibt.
Das sagen die niederländischen Forscher Justus Wesseler und sein Kollege Kai Purnhagen in einem Artikel, der in Applied Economic Perspectives and Policy veröffentlicht wurde. Der Artikel erschien gestern am Tag der Verleihung des Nobelpreises für Chemie an die Forscher, die CRISPR-Cas entwickelt haben.
Die Französin Emmanuelle Charpentier und die US-Amerikanerin Jennifer Doudna bilden die Grundlage für die Anwendungen dieser Technik, mit der DNA verändert werden kann. So können zum Beispiel Fehler in der DNA sehr präzise „herausgeschnitten“ werden. „Diese Technologie hat eine revolutionäre Auswirkung auf die Lebenswissenschaften“, so das Nobelkomitee.
CRISPR-Cas ermöglicht es, DNA mit beispielloser Präzision zu verändern und Gene auszuschalten. Viele (erbliche) Krankheiten beim Menschen könnten mit dieser Technik der Vergangenheit angehören.
In der Tierhaltung wird die revolutionäre Technik mit Interesse beobachtet. Häufige Tierkrankheiten könnten damit aus der DNA der Tiere entfernt werden, was die Tiergesundheit weltweit verbessern würde. Aber auch im Ackerbau und in der Tierhaltung wird diese – in der EU noch verbotene – Technik mit Interesse verfolgt. Der Europäische Gerichtshof stuft CRISPR-Cas bisher als „genetische Modifikation“ ein und verweigert die Zulassung.
Gerade diese Woche tagt in Brüssel das Ständige Komitee, das Empfehlungen zur Zulassung neuer Pflanzenschutzmittel oder zum Verbot bestehender Wirkstoffe abgibt. Sowohl im Europäischen Parlament als auch in wissenschaftlichen Kreisen wird zunehmend argumentiert, dass CRISPR-Cas keine chemische Zugabe, sondern eine natürliche Entfernung sei.
Das Landwirtschaftsministerium erkennt an, dass Züchtungstechniken eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft Europas spielen können, besonders im Acker- und Gartenbau. Die meisten Züchtungs- und Produktionsunternehmen sind in den Niederlanden ansässig. Das Interesse ist daher sehr groß, und dies gilt in geringerem Maße auch für Dänemark, Deutschland und Frankreich.
CRISPR-Cas ist auch das Forschungsgebiet des Wageninger Forschers John van der Oost, der zuvor für seine Arbeit den Spinozapreis erhalten hat. Er arbeitet seit vielen Jahren eng mit Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna zusammen. Laut den beiden Nobelpreisträgerinnen hat Van der Oost ebenfalls einen großen Beitrag zum Erfolg dieses Themas geleistet.

