Im Parlament von Österreich haben Politiker der konservativ-grünen Regierungskoalition Änderungsanträge eingebracht, um die mobile Schlachtung von Vieh auf allen Bauernhöfen zu ermöglichen.
Im vergangenen Jahr gab es in einigen österreichischen Bundesländern Versuche damit. Diese wurden so gut angenommen, dass es nun überall erlaubt sein soll. Dafür müssen allerdings einige Hygienegesetze für kleine Betriebe angepasst werden.
„Mit diesem Gesetzesvorstoß sorgen wir für weniger Tiertransporte und weniger Stress für Nutztiere vor und während der Schlachtung. So erhöhen wir das Tierschutzniveau und schaffen neue Absatzmöglichkeiten für bäuerliche Familien“, sagt ÖVP-Landwirtschaftssprecher Olaf Strasser.
In den Bundesländern Oberösterreich, Steiermark und Tirol sind bereits (teilweise) mobile Schlachtbetriebe im Einsatz. Zum ersten Mal in Österreich wird damit künftig die stressarme Schlachtung im gesamten Land möglich sein.
Zusätzlich wird es eine Regelung für die Schlachtung in der gewohnten Umgebung der Tiere geben, wie auf der Weide, im Auslauf oder am Futterplatz – nach dem Vorbild der Schweiz. Dazu gehört auch die Schlachtung in mobilen Schlachtanlagen, die beispielsweise im Nachbarland Deutschland bereits seit längerer Zeit zugelassen sind.
Im österreichischen Bundesland Oberösterreich wurde kürzlich ein Pilotprojekt für mobile Schlachtanlagen vorgestellt. Eine große Anzahl Bio Austria-Bauern forderte schon länger eine gesetzliche Regelung für eine tiergerechte, stressfreie Schlachtung in der vertrauten Umgebung.
Bio Austria hofft, dass das auf den Tierschutz basierende Pilotprojekt eine Vorbildfunktion einnimmt und andere Bundesländer dem Beispiel Oberösterreichs folgen. Letztlich könne so eine landesweite gesetzliche Regelung entstehen, die die stressfreie Schlachtung in der gewohnten Umgebung ermöglicht.
Das Phänomen mobiles Schlachthaus ist auch in Niederlanden nicht ganz neu. Das Schlachthaus Dokkum startete vor einem Jahr mit einem mobilen Schlachtbetrieb für Kühe. Dieser richtet sich an Tiere, die nicht lebend transportiert werden dürfen, aber noch bestens für die Schlachtung geeignet sind. Diese Tiere würden sonst abgeholt und vernichtet, obwohl das Fleisch weiterhin gut konsumierbar ist. Zudem sind ihre Schlachtwagen auch für Tiere einsetzbar, die immer in freier Natur gelebt haben.
In den Niederlanden führte der Landwirtschafts- und Ernährungsexperte Ruud Pothoven mit seiner Firma Innohow bereits vor sieben Jahren eine Machbarkeitsstudie zu den Möglichkeiten mobiler Schlachtung durch.
„Damals war die Zeit noch nicht reif, aber inzwischen gibt es viel mehr kleinere und nachhaltige Schweinebetriebe. Und es hilft auch, dass es in EU-Ländern wie Deutschland, Schweden und Frankreich mobile Schlachtbetriebe gibt. Die Erfahrungen dort sind positiv. Gesetzgebung und Technik stehen uns auch nicht mehr im Weg, ein Schlachthof auf Rädern ist erlaubt und möglich“, sagte er kürzlich.

