Damit droht auch das derzeitige spanische EU-Ratsvorsitz eine Verzögerung zu erfahren, was wiederum Auswirkungen auf einige wichtige Green Deal-Komponenten haben könnte.
Die konservative Partido Popular unter Parteichef Alberto Núñez Feijóo hat zwar die Wahlen deutlich gewonnen (von 89 auf 136 Sitze), erreicht aber selbst mit Unterstützung der rechtsextremen Vox (von 52 auf 33) keine Mehrheit. Daher kann der amtierende PSOE-Ministerpräsident Pedro Sánchez vorerst im Amt bleiben, ebenso wie der erfahrene Landwirtschaftsminister Luis Planas.
In Spanien droht nun ein monatelanger politischer Stillstand, der Folgen für den EU-Ratsvorsitz haben könnte. Die Konservativen wollen unter anderem den Ausbau erneuerbarer Energien stoppen.
In Brüssel laufen derzeit auch Verhandlungen über die Zukunft des Pflanzenschutzes und des Naturschutzes. Die ohnehin schon starke Opposition gegen diese beiden Vorschläge könnte durch die mögliche Regierungsübernahme einer konservativen PP in Madrid noch verstärkt werden.
Außerdem wird EU-Vizepräsident Frans Timmermans bald abwesend sein, um den Green Deal zu verteidigen. Timmermans verlässt Brüssel im August, da er Kandidat für die Spitzenkandidatur der Mitte-Links-Parteien-Kombination PvdA und GroenLinks ist.
Eigentlich wollte der spanische PSOE-Ministerpräsident Sánchez seine Position mit den vorgezogenen Parlamentswahlen verbessern. Zwar gewann er zwei Sitze hinzu, doch selbst mit Unterstützung seiner beabsichtigten grün-linken Koalitionspartner von Sumar (Neuling, von null auf 31 Sitze) und vier kleiner Regionalfraktionen (zusammen 19 Sitze) erreicht er noch nicht die erforderlichen 176 Sitze für eine Mehrheit.
Theoretisch könnte die katalanische JxCat (von 8 auf 7 Sitze) sowohl PP als auch PSOE zu einer Mehrheit verhelfen, doch diese auf Unabhängigkeit drängende Partei will (bis jetzt?) mit keiner „nationalen“ Partei zusammenarbeiten. Der katalanische Parteichef Carlos Puigdemont lebt bereits seit einigen Jahren im Exil in Brüssel, wo er im Europäischen Parlament sitzt. Spanien will ihn strafrechtlich verfolgen und hat Belgien um seine Auslieferung gebeten.
Die regionale ländliche Partei in der Provinz Teruel („Leeres Spanien“), die nur in wenigen Provinzen an den Wahlen teilnahm, verlor den einzigen Parlamentsplatz, den sie 2019 landesweit errungen hatte. Die neue ländliche Koalition behält zwar in einigen Dörfern und Städten ihre lokalen Ratsmandate, verliert aber auch die zwei im Jahr 2019 errungenen Sitze im spanischen Senat.

