Der polnische Staatssekretär für Landwirtschaft Lech Kolakowski erklärt, dass die Regierung plant, tausend Jäger für die Jagd auf Wildschweine einzustellen. Kolakowski ist speziell mit der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest betraut und gehört zu den vier Staatssekretären des neu ernannten Landwirtschaftsministers Henrik Kowalczyk.
Die neue Jagdeinheit erhält die Erlaubnis, auf dem weiten polnischen Land von Autos aus auf Wildschweine zu schießen. Auch müssen die spezialisierten Jäger die Kadaver nicht mehr zur Untersuchung bei zertifizierten Laboren abgeben, sondern dürfen sie in Gruben vergraben und mit gelöschtem Kalk abdecken.
Staatssekretär Kołakowski zufolge sind radikale Maßnahmen nötig, da die kommenden Monate entscheidend sein werden. Wenn im März keine vorbeugenden Maßnahmen ergriffen sind, werden schätzungsweise 1,2 Millionen Wildschwein-Frischlinge geboren, und beim nächsten Wurf im Juli noch einmal über eine Million. Daher müssen die polnischen Äcker vor dem Maisaussaat von ASF-infizierten Wildschweinen geräumt werden.
Der polnische Minister hofft, dass die Gruppe von über tausend Jägern die bestehenden lokalen Jagdvereine unterstützen wird, doch der polnische Jagdverband lehnt die neuen Vorschläge ab. Die Jäger weisen darauf hin, dass das Schießen aus Autos aus Sicherheitsgründen bisher verboten ist. Außerdem beklagen sie, dass sie alle Kadaver bei weit entfernten Stellen abgeben müssen, wofür sie nur eine geringe Vergütung pro erlegtem Wildschwein erhalten und nicht nach Stunden bezahlt werden…
Unter Schweinehaltern und Landwirten auf dem Land herrscht große Unzufriedenheit über die unzureichende Abschussquote der örtlichen Jagdvereine. Diese hatten im vergangenen Jahr ihre Abschusszahlen zwar von über 400.000 auf 800.000 Stück verdoppelt, was bei einer geschätzten Anzahl von mehreren Millionen Wildschweinen jedoch unzureichend ist.
Außerdem sagen die Jäger, die Verbreitung der Schweinepest gehe nicht so sehr von umherziehenden Wildschweinen aus, sondern habe ihre Ursache bei Landwirten und Bewohnern des ländlichen Raums, die aufgrund mangelnder Biosicherheit die ASF selbst in ihre Betriebe einschleppen. Polen hält zudem weiterhin verschiedene EU-Vorgaben in diesem Bereich nicht ein.
Der Versuch der neuen Landwirtschaftsminister, Jäger auf die Rolle von „Ausrotern“ und „Leibwächtern der Feldfrüchte“ zu reduzieren, geht dem Jagdverband viel zu weit. Nach Ansicht der Jäger verstoßen die Vorschläge gegen das Jagdgesetz, die Satzung des polnischen Jagdverbands und deren ethischen Kodex.
Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest haben in den letzten sieben Jahren viele „kleine“ polnische Schweinehalter ihre Betriebe aufgegeben. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Warschau gab es 2014 – dem Jahr, als die hochansteckende Tierseuche erstmals in Polen auftrat – noch 179.000 einzelne Schweinehaltungen mit insgesamt etwa 10,5 Millionen Tieren, was einem Durchschnitt von 59 Schweinen pro Betrieb entspricht.
2019 sank die Zahl der Schweinehaltungen auf 116.000. Mitte 2021 zählte die Regierung noch rund 92.000 Betriebe mit Schweinen, was einem Rückgang von fast der Hälfte seit 2014 entspricht.

