Agrounia hatte ursprünglich geplant, mit einer eigenen Parteiliste an den Wahlen teilzunehmen. Doch im April schloss sich ein Teil der Anhänger der Neugruppierung zweier zentristisch-rechter Parteien an. Diese Koalition konzentriert sich nahezu vollständig auf das ländliche Gebiet. In Umfragen erreichte Agrounia danach maximal anderthalb Prozent, deutlich unter der polnischen Sperrklausel von fünf Prozent.
Trotz der Zusammenarbeit mit der neuen polnischen Parteienkombination KO betonte Kolodziejczak, dass er keiner neuen Partei beitreten werde und die Bauernvereinigung unabhängig bleiben will. Er verwies auf die Bedeutung der Bündelung von Stadt und Land, erklärte, dass Polen sich derzeit in einer Krise befinde und unkonventionelle Lösungen notwendig seien. Er sagte, er wolle Polen von den PiS-Patriarchen befreien.
Der polnische Präsident Morawiecki reagierte sofort auf die Bekanntgabe und bezeichnete Kolodziejczak als einen „Putin-Freund“. Diese Äußerung unterstreicht die politischen Spannungen und Rivalitäten, die derzeit die politische Landschaft Polens prägen, wobei die regierende PiS und die neue Oppositionskoalition sich unversöhnlich gegenüberstehen. In Umfragen beträgt der Unterschied nur wenige Prozentpunkte.
Tusk, der ambitionierte Ziele verfolgt, mit einer Oppositionsallianz die seit 15 Jahren regierende Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) zu besiegen, überraschte viele, indem er bei der Vorstellung auch den radikalen Bauerngewerkschaftsführer auf die Bühne rief. Mit dem Wechsel von Agrounia und weiteren prominenten Persönlichkeiten hofft Tusk, ein breites Wählerpotenzial zu schaffen.
Weniger als zwei Monate vor den Parlamentswahlen wird sich die politische Arena in Polen mit Sicherheit weiter erhitzen. Der Kampf zwischen der etablierten Macht der PiS und der aufkommenden Oppositionskoalition wird in den kommenden Wochen das politische Debattenbild dominieren und die Richtung des Landes für die kommenden Jahre bestimmen.

