Russland richtet seine Angriffe nicht länger ausschließlich auf Energieversorgung und Verkehrsverbindungen, sondern auch auf Unternehmen. Laut der Nationalbank der Ukraine schrumpft die Wirtschaft in diesem Jahr wahrscheinlich um 0,4 Prozent. Zuvor wurde noch mit einem Wachstum von 1,8 Prozent gerechnet.
Ermüdet
Ukrainische Unternehmer betrachten das Jahr 2026 als ihr schwierigstes Kriegsjahr. Unternehmen haben mit Personalmangel, erschöpften Vorräten und einem schrumpfenden Markt zu kämpfen. Investitionen werden verschoben oder in kleineren Schritten umgesetzt. Einige Unternehmen verteilen ihre Produktion auf mehrere Standorte, um die Folgen russischer Angriffe zu begrenzen.
Besonders die Stahlindustrie ist stark betroffen. Große Fabriken von Metinvest, ArcelorMittal und Interpipe haben ihre Produktion eingestellt. Dadurch entstehen Engpässe bei Baustahl und anderen Materialien. Die Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten nimmt zu, während Transportkosten und Lieferzeiten steigen.
Mehr Import
Der Import deckt inzwischen fast 47 Prozent des ukrainischen Stahlverbrauchs ab, gegenüber weniger als 23 Prozent vor der groß angelegten Invasion. China und die Türkei sind wichtige Lieferanten geworden. Die Engpässe erschweren Bauprojekte und erhöhen die Kosten für den Wiederaufbau, berichtet die ukrainische Wirtschaftszeitung UBN.
Auch die öffentlichen Finanzen geraten unter Druck. Die Ukraine gab im Oktober weniger inländische Staatsanleihen aus, als sie zurückzahlen musste. Gleichzeitig haben Unternehmen Schwierigkeiten, Kredite und Versicherungen gegen Kriegsschäden zu erhalten, so UBN.
ICT-Wachstum
Trotzdem wachsen einige Sektoren weiter. Der Export ukrainischer Computerdienstleistungen stieg in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 um vier Prozent auf 4,46 Milliarden Dollar. Dieser Sektor erzielte inzwischen ein Achtel aller Exporteinnahmen, berichtet UBN.
Die europäische Unterstützung bleibt wichtig. Finnland hat mit der Europäischen Kommission eine Finanzierungsvereinbarung über 240 Millionen Euro getroffen. Die Niederlande stellen in den kommenden drei Jahren 1,2 Milliarden Euro für nichtmilitärische Hilfe bereit, darunter Energieversorgung, industrielle Produktion und Wiederaufbau.
Unsicher
Für 2027 wächst die Unsicherheit. Die Ukraine rechnet damit, zusätzlich mehrere zehn Milliarden Euro für Verteidigung zu benötigen. Unternehmen gehen von einer Fortsetzung des Krieges aus, während westliche Finanzierungen immer wichtiger werden, um die Wirtschaft und wesentliche Staatsdienste aufrechtzuerhalten.