Die Mehrheit der russischen Bürger ist der Ansicht, dass ihr Land den Hinterbliebenen des abgeschossenen malaysischen Passagierflugzeugs MH17 Schmerzensgeld zahlen sollte, falls sich herausstellt, dass Russland für den Abschuss des Flugzeugs verantwortlich ist.
Das geht aus einer Meinungsumfrage eines unabhängigen russischen Forschungsinstituts hervor, die in Zusammenarbeit mit einer niederländischen Universität und einer niederländischen Denkfabrik durchgeführt wurde. Die Untersuchung wurde Ende 2019 durchgeführt, wobei über 1600 Russen gezielt nach Niederlande befragt wurden, schreibt die Zeitung Trouw. Rund 55 Prozent der Russen stimmen der Aussage „Russland sollte Schmerzensgeld zahlen, wenn Moskaus Schuld bewiesen ist“ zu bzw. sind damit völlig einverstanden.
Die Angelegenheit sorgt seit vielen Jahren für Spannungen zwischen Russland und den Niederlanden. Die niederländische Regierung und die öffentliche Meinung machen Russland für den Abschuss des 2014 über den Niederlanden gestarteten malaysischen Linienflugzeugs verantwortlich. Dabei kamen im Osten der Ukraine alle 298 Insassen ums Leben, darunter fast zweihundert Niederländer.
In drei Wochen beginnt vor einem Gericht in den Niederlanden der Prozess gegen vier Verdächtige des Flugzeugabschusses. Die Beschuldigten sind drei Russen und ein Ukrainer. Sie sollen am Transport der russischen Rakete in das pro-russische Rebellengebiet beteiligt gewesen sein. Sie werden des Mordes an den 298 Passagieren beschuldigt, darunter 196 Niederländer.
Der niederländische Premierminister Mark Rutte hat von Anfang an für Genugtuung der Hinterbliebenen, die Verurteilung der Täter und eine öffentliche Schuldeingeständnis plädiert.
Die russische Regierung hat jegliche Beteiligung bisher bestritten, verweigert die Auslieferung der Verdächtigen, will nicht mit der niederländischen Justiz zusammenarbeiten und verhinderte bei den Vereinten Nationen die Einrichtung eines speziellen MH17-Gerichts. Auch die Ergebnisse des internationalen Ermittlungsteams JIT, das festgestellt hat, dass die Waffe eine Buk-Rakete eines russischen Bataillons war, wurden vom Kreml zurückgewiesen.
Ein Viertel der russischen Bürger findet es „schwer zu sagen“, wer für das Unglück verantwortlich ist. Eine kleine Mehrheit (53 Prozent) glaubt, dass das ukrainische Militär schuld ist. Der Anteil der Bürger, die das russische Militär, Freiwillige oder pro-russische Rebellen als Täter sehen, wächst jedoch. Er liegt jetzt bei 10 Prozent, während er in einer älteren, ähnlichen Untersuchung noch bei 2 Prozent lag.
Für die Untersuchung wurden die Teilnehmer nicht nur speziell zur MH17-Frage befragt, sondern auch zu ihrer allgemeinen Einschätzung der Niederlande. Daraus geht hervor, dass fast drei Viertel der Russen „positiv“ bis „sehr positiv“ über die Niederlande denken. Fünf Prozent der Russen äußern sich negativ über die Niederlande, wie aus der Untersuchung des unabhängigen russischen Instituts Levada im Auftrag der Universität Leiden und der Wissensplattform Raam op Rusland hervorgeht.

