Richter im Prozess gegen drei Russen und einen Ukrainer, die der Beteiligung am Abschuss der MH17 von Malaysia Airlines beschuldigt werden, haben einigen Anträgen auf weitere Untersuchungen stattgegeben.
Die beiden niederländischen Anwälte des russischen Verdächtigen Oleg Pulatov und deren eigene Sachverständige dürfen die Flugzeugwrackteile untersuchen, die in einem Hangar auf einem niederländischen Militärflughafen aufgestellt sind.
Das niederländische Gericht empfahl den Anwälten zudem, selbst Kontakt zu den Behörden der Vereinigten Staaten aufzunehmen, um Zugang zu amerikanischen Satellitenbildern zu beantragen, die angeblich einen Raketenstart zeigen, als das Flugzeug am 14. Juli 2014 abgeschossen wurde. Die internationalen Ermittler des JIT hatten Washington bereits um diese Bilder gebeten, doch laut offizieller Darstellung existieren solche Bilder nicht.
Diese US-Leugnung scheint im Widerspruch zu früheren Aussagen des damaligen Außenministers John Kerry zu stehen, der eine Woche nach dem Abschuss der MH17 in einem TV-Interview nahezu wörtlich sagte, dass man auf Satellitenbildern den Abschussort und die Rauchfahne der nach oben geschossenen Rakete sehen könne.
Wahrscheinlich hat Kerry damals unbedacht gesprochen, da seine Äußerungen als Bestätigung gelten können, dass die USA über (militärische Spionage-)Satelliten verfügen, die Echtzeitüberwachung durchführen, offenbar weltweit. Kerry sprach nicht von Videobildern einer kreisenden Drohne, sondern von Bildern eines Satelliten aus dem Weltall. Das Interview mit Kerry wurde, soweit bekannt, danach nie wieder ausgestrahlt.
Die Anwälte von Pulatov, der Oberstleutnant der russischen Armee war, reichten im vergangenen Monat eine lange Liste von Anträgen auf weitere Untersuchungen, Zeugenbefragungen und Gutachten anderer Experten ein. Sie werfen den JIT-Staatsanwälten Tunnelblick vor, da diese sich fast ausschließlich auf die Theorie konzentrierten, dass das Flugzeug durch eine russische Buk-Rakete abgeschossen wurde. Alle 298 Passagiere und Besatzungsmitglieder der MH17 kamen dabei ums Leben.
Nach jahrelangen Ermittlungen durch ein internationales Team erhoben die Staatsanwälte im vergangenen Jahr Anklage gegen vier Verdächtige: die Russen Igor Girkin, Sergey Dubinskiy und Oleg Pulatov sowie den Ukrainer Leonid Kharchenko. Keiner von ihnen ist vor dem Prozess vor dem besonders gesicherten Gericht am Flughafen Schiphol erschienen.
Die Verteidigung fordert weitere Untersuchungen alternativer Szenarien, darunter, dass das Passagierflugzeug von einem ukrainischen Luftwaffen-Kampfflugzeug oder einer Rakete ukrainischer Streitkräfte abgeschossen wurde. Der vorsitzende Richter Henk Steenhuis wies einige Anträge zurück und vertagte Entscheidungen über andere Anträge, bis die niederländischen Anwälte die Gelegenheit hatten, mit ihrem Mandanten Pulatov zu sprechen.

