Bei einem Referendum in Schweiz haben mehr als 60 % der Schweizer Wähler drei weitreichende Umwelt- und Klimavorschläge abgelehnt. Zwei nahezu identische Referenden gegen chemische Pestizide in der Landwirtschaft wurden verworfen, und ein dritter Vorschlag zur Reduzierung der Luftverschmutzung erreichte auch keine Mehrheit.
Nach monatelangen hitzigen Kampagnen war am Sonntag ein klares „Nein“ zu den Vorschlägen zu verzeichnen, die die Schweiz zu einem Vorreiter im Bereich der ökologischen Landwirtschaft hätten machen können. Die Schweiz hätte das erste europäische Land werden können, das den Einsatz von künstlichen Unkrautvernichtern und Fungiziden verbietet.
Die Ergebnisse zeigen große Unterschiede zwischen städtischen Gebieten und dem ländlichen Raum. In einigen Großstädten waren mehr als die Hälfte der Wähler für die nun abgelehnten drei Klimapläne, während die Schweizer Regierung ein negatives Votum abgegeben hatte. Auch die Schweizer Chemieindustrie hatte in den vergangenen Wochen umfangreich gegen die Vorschläge mobilisiert.
Gegen etwa vierzig Prozent der Wählerschaft wurde damit eine ablehnende Stimme abgegeben. Diese Schweizer glauben, dass die Agrarpolitik nur mit radikalen Maßnahmen verbessert werden kann. Diese nicht unerhebliche Minderheit ist der Meinung, dass mit der aktuellen Macht des Bauernverbands keine ökologische Agrarpolitik gestaltet werden könne.
Urs Schneider, stellvertretender Direktor des Schweizer Bauernverbands, sagte, das Wahlergebnis sei eine „enorme Erleichterung“ für die Landwirte gewesen, die argumentiert hatten, dass ein Verbot von Pestiziden zu kleineren Ernten und höheren Lebensmittelpreisen führen würde.
Die Kampagne war vor allem in den letzten Wochen von emotionalen Argumenten zwischen gegensätzlichen Philosophien geprägt, vor allem in ländlichen Regionen. Die Kampagnen offenbarte auch ein mangelndes Verständnis dafür, wie der Schweizer Agrarsektor funktioniert.
Trotz der Ablehnung der drei Klimapläne versuchten die Kampagnenführer am Sonntag einen moralischen Sieg zu erringen, indem sie darauf hinwiesen, dass die Gefahr von Pestiziden und ihre Bedrohung für die Gesundheit endlich zum Thema der öffentlichen Debatte geworden seien und nun nicht mehr vom Tisch seien.
Die Kampagnenführer hatten angeführt, dass die Landwirtschaft eine „erhebliche“ Verantwortung für Rückstände von Pestiziden im Schweizer Grundwasser und in den Flüssen sowie für den Rückgang der Biodiversität trage. Sie argumentierten auch, dass die Agrarpolitik der Regierung nicht ausreiche, um die Probleme zu lösen.
„Es ist eine Niederlage für die Gesundheit und für die Natur“, sagt Adèle Thorens von den Grünen. Sie erklärte, es sei notwendig, den Dialog zwischen Politik, Bauern und Wissenschaft künftig fortzusetzen.
Ohne das nun ebenfalls abgelehnte neue CO2-Gesetz sei es nach Angaben des Schweizerischen Bundesamts für Umwelt unmöglich, die Emissionen bis 2030 wie geplant um 37,5 Prozent zu senken, sondern höchstens um 23 Prozent. Das liegt auch daran, dass einige Klimamaßnahmen jetzt ganz ausbleiben. Es ist unklar, wie es nun mit der Begrenzung chemischer Pestizide und der Luftverschmutzung weitergeht.

