Laut einer Untersuchung der South China Morning Post haben chinesische Bauern in den letzten Wochen fast die Hälfte ihrer Getreideernte durch eine Kombination aus vorheriger Dürre, den aktuellen Überschwemmungen und der anhaltenden Corona-Pandemie verloren.
Zudem droht sich die Afrikanische Schweinepest durch die Überschwemmungen über ein viel größeres Gebiet auszubreiten. Chinesische Staatsmedien berichten zudem von Millionen ertrunkener Tiere.
Die Überschwemmungen, die Anfang Juni begannen, setzen sich in den Einzugsgebieten des Jangtse-Flusses, des Huai-Flusses und des Gelben Flusses fort, die alle wichtige Getreide produzierende Regionen sind. Bislang wurden in diesem Jahr insgesamt 27 chinesische Provinzen von Überschwemmungen betroffen.
Durch den Rückgang der Getreideproduktion droht die chinesische Lebensmittelversorgungskette gestört zu werden: Reis, Weizen und Mais sind wesentliche Bestandteile der nationalen Ernährung. Die Verluste gefährden auch die Pläne zur Selbstversorgung in der Lebensmittelproduktion. Ernährungssicherheit ist in China durch den Handels- und Zollkrieg unter dem US-Präsidenten Trump zu einem politischen Thema geworden.
Die Frage der Ernährungssicherheit veranlasste Präsident Xi Jinping dazu, die Bevölkerung anzuweisen, keine Lebensmittel zu verschwenden. Seine Botschaft, die letzte Woche lanciert wurde, ist Teil einer landesweiten Kampagne. Chinesische Restaurants servieren ihren Gästen inzwischen kleinere Portionen, während Cateringunternehmen und Lebensmittelanbieter Programme vorschlagen, um die chinesischen Essgewohnheiten zu verändern.
Der Aufruf des chinesischen Vorsitzenden Xi Jinping wird als Bestätigung dafür gesehen, dass das Land nach monatelangen Überschwemmungen, Insektenplagen, der Afrikanischen Schweinepest und den Auswirkungen des Wuhan-Coronavirus (COVID-19) mit einem Mangel an Getreide und Schweinefleisch zu kämpfen hat.
Dies ist das zweite Mal innerhalb eines Monats, dass Präsident Xi Anweisungen zur Getreideernte in China gegeben hat. Am 22. Juli besichtigte Xi laut Beijing Review die Maisfelder in der Provinz Jilin. Inzwischen sind die Lebensmittelpreise in China im Juli um etwa 10 Prozent gestiegen, während die Schweinefleischpreise um 86 Prozent in die Höhe schossen, so das Nationale Statistikamt.
Letzteres ist auf den Verlust von 180 Millionen Schweinen oder 40 Prozent des nationalen Viehbestands an der Afrikanischen Schweinepest im letzten Jahr sowie neue Ausbrüche in diesem Jahr nach den Überschwemmungen zurückzuführen.
Weitere ernsthafte Probleme, die die chinesische Lebensmittelversorgung bedrohen, sind Insektenplagen. Der Befall mit den FAW-Raupen, die Mais fressen, wurde in fast allen Provinzen beobachtet, was die Maispreise auf den höchsten Stand der letzten fünf Jahre steigen ließ.
Eine weitere große Bedrohung für die chinesischen Nutzpflanzen sind Heuschreckenschwärme, die sich ihren Weg durch Asien gefressen haben. Vor zwei Wochen ordnete das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten das Versprühen von Pestiziden in Regionen der Provinz Yunnan an der nordöstlichen Grenzregion zu Myanmar, Laos und Vietnam an.

