Mehr als drei Viertel der weltweit jährlich an Agrarproduzenten vergebenen Agrarsubventionen in Höhe von über 500 Milliarden Dollar wirken vor allem preisverzerrend und können der Natur und der Gesundheit schaden. Das ist die wichtigste Schlussfolgerung eines neuen UN-Berichts zum Auftakt des UN-Gipfels zur Biodiversität.
Der Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) ruft dazu auf, die finanzielle Unterstützung für die Lebensmittelproduktion nicht zu verringern oder abzuschaffen, sondern anders zu verwenden.
Die drei UN-Organisationen erklären, dass die internationale Gemeinschaft die UN-Millenniumziele für 2030 und auch die Pariser Klimavereinbarungen nicht zu erreichen droht. Die weltweite Agrarförderung macht 15 Prozent der Gesamtwertschöpfung der Landwirtschaft aus. Innerhalb von zehn Jahren wird sie sich mehr als verdreifachen und 1.759 Milliarden Dollar erreichen.
Um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, ist eine Verschiebung der Unterstützung erforderlich, vor allem in Ländern mit hohem Einkommen, wobei der Fokus auf der Reduzierung der Fleisch- und Milchindustrie liegen sollte. Diese Branche ist laut den UN-Organisationen für 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.
In Ländern mit niedrigem Einkommen sollten Regierungen erwägen, ihre Unterstützung für giftige Pestizide und Düngemittel oder das Wachstum von Monokulturen umzulenken.
Die derzeitige Unterstützung besteht meist aus Preisanreizen wie Einfuhrzöllen und Exportsubventionen, aber auch aus steuerlichen Subventionen, die an bestimmte Rohstoffe oder Betriebsmittel gebunden sind.
Der Bericht besagt, dass diese Maßnahmen ineffizient sind, die Lebensmittelpreise verzerren, die Gesundheit der Menschen schädigen, die Umwelt beeinträchtigen und oft unfair sind, wobei zudem große Agrarbetriebe gegenüber kleinen Bauern bevorzugt werden.
Letztes Jahr litten weltweit bis zu 811 Millionen Menschen unter chronischem Hunger, und fast jeder dritte Mensch weltweit (2,37 Milliarden) hatte das ganze Jahr über keinen Zugang zu ausreichender Nahrung. Im Jahr 2019 konnten sich etwa drei Milliarden Menschen in jeder Region der Welt keine gesunde Ernährung leisten, wie letzte Woche auf dem UN-Ernährungsgipfel festgestellt wurde.
In den Berichten wird bemerkt, dass, obwohl die meisten Agrarsubventionen heute negative Auswirkungen haben, etwa 110 Milliarden Dollar Infrastruktur, Forschung und Entwicklung unterstützen und der allgemeinen Lebensmittel- und Landwirtschaftsbranche zugutekommen.

