Die Vereinigten Staaten leiten erstmals im Rahmen des nordamerikanischen Handelsabkommens ein Verfahren gegen das Nachbarland Kanada ein. Washington fordert, dass das USMCA (oft als „neues NAFTA“ bezeichnet) den Streitbeilegungsausschuss einberuft.
Die USA sind der Ansicht, dass Kanada weiterhin zu Unrecht das umstrittene kanadische Milch- und Milchpreissystem aufrechterhält.
Die Einfuhrzölle und Quoten für Milchprodukte sind seit vielen Jahren ein Problem zwischen beiden Ländern. Kanada kontrolliert die Milchproduktion durch Angebotsmanagement – ein komplexes System von Produktionskontrollen und Zöllen, um die Inlandspreise stabil zu halten.
Das USMCA-Abkommen sieht zwar vor, dass amerikanische Milchverarbeiter bezogen auf das Volumen etwas mehr Zugang erhalten, doch da das kanadische Preissystem bestehen bleibt, hat das wenig Wirkung.
Auf Milcheinfuhren wie amerikanischen Käse und Milch wird ein Zoll von 300 % erhoben. Kanada ist bereit, ein größeres Importvolumen zu niedrigeren finanziellen Tarifen zuzulassen. Der US-Handelsbeauftragte Tai sagt jedoch, dass Kanada weiterhin sein komplexes System aus Lizenzen und Zöllen nutzt, um kanadische Produzenten zu bevorzugen.
Nach vier Jahren turbulenter amerikanischer Handelspolitik unter Ex-Präsident Donald Trump hatten viele Kanadier auf bessere Beziehungen unter Joe Biden gehofft. Trump hatte höhere Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium eingeführt und mit Zöllen auf den Automobilsektor gedroht.
In den vergangenen Wochen sahen sich kanadische Beamte zunehmenden Spannungen mit den USA unter Biden ausgesetzt. So flammt nun auch die Holzexportfrage wieder auf. Washington kündigt an, die Zölle auf Nadelholzeinfuhren zu verdoppeln, den letzten Schritt in einem seit fast vier Jahrzehnten andauernden Streit.
Der kanadische Premier Trudeau bagatellisierte die Spannungen im Milchsektor und sagte, es werde „immer Probleme geben, bei denen Kanada und die USA unterschiedlicher Meinung sind“.

