Bei den Regionalwahlen am vergangenen Wochenende in zwei deutschen Bundesländern haben deutsche Landwirte noch in großem Umfang für die CDU der Bundeskanzlerin Angela Merkel gestimmt, jedoch weniger als vor vier Jahren.
Deutsche Landwirte im Südwesten Deutschlands wählen zwar noch doppelt so häufig wie der Durchschnitt die Christdemokraten, weichen aber zunehmend auf Parteien an den Rändern aus.
In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stimmten die Landwirte jeweils zu 55 % bzw. 56 % für die CDU, im Vergleich zu einem Durchschnitt von 24,1 % bzw. 27,7 %. Bei anderen Berufsgruppen wie Beamten, Einzelhändlern oder Arbeitern sind die Unterschiede deutlich kleiner.
In Baden-Württemberg fällt außerdem auf, dass jeder zehnte Landwirt für die rechtsextreme AfD stimmt, jeder zehnte für die linke SPD und zwei von zehn die Grünen wählen.
Nach den beiden Wahlen ist eines klar: Die CDU schneidet tatsächlich, wie erwartet, schlechter ab als vor vier Jahren. Dafür gibt es drei Gründe: Wer grün wählen möchte, entscheidet sich für das Original und nicht für die CDU. Wähler, die bürgerlich und wirtschaftsliberal sein wollen, wählen zunehmend die FDP (Baden-Württemberg) oder die Freien Wähler (Rheinland-Pfalz). Deutsche, die den Kurs von Angela Merkel fortsetzen wollen, wählen die CDU. Doch das werden immer weniger…
Das schlechte Wahlergebnis entfacht bei der CDU erneut die Diskussion über den Kurs und die Nachfolge von Merkel: Mitte oder Mitte-rechts. Die „Große Koalition“ mit der linken SPD kommt nicht bei allen CDU-Wählern gut an.
Im vergangenen Jahr wurde Armin Laschet (59) CDU-Parteivorsitzender; er ist Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und gehört zum liberalen Flügel der CDU. Aufgrund dieses schlechten Wahlergebnisses ist fraglich, ob die CDU ihn später in diesem Jahr als neuen Kanzler aufstellen kann oder ob es eine SPD-FDP-Grünen-Koalition geben wird.
Das Wahlergebnis wird mit Sicherheit auch am Mittwoch bei der Konferenz von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mit den Landwirtschaftsministern der sechzehn Bundesländer angesprochen werden. In Deutschland wurde ein großer Teil der landesweiten Agrarpolitik auf die Bundesländer übertragen. In der Hälfte der Bundesländer ist kein CDU-Vertreter für die Landwirtschaft zuständig. Daher ist höchst unsicher, ob Klöckner vor der Bundestagswahl das deutsche Agrargesetz modernisieren kann.

