Niederlande kaufen zusammen mit Deutschland, Frankreich und Italien 300 Millionen Dosen eines britischen Corona-Impfstoffs, dessen Wirksamkeit und Sicherheit noch nachgewiesen werden müssen. Wie viel Geld bei dem britischen Deal im Spiel ist, „sagen wir lieber nicht“, so der Minister.
Der Impfstoff wird von der Universität Oxford und dem Pharmahersteller AstraZeneca entwickelt. Erste Tests wurden bereits durchgeführt und die Ergebnisse werden in Kürze erwartet. Anfangs gab es große Hoffnungen auf den Impfstoff, diese wurden jedoch gedämpft, nachdem Versuche mit Affen enttäuschende Ergebnisse zeigten.
Aus der Europäischen Union gibt es Kritik an der Tatsache, dass diese vier EU-Länder die Bemühungen der EU de facto umgehen und ignorieren. Die EU bemüht sich seit Wochen, sich stärker auf dem (internationalen) Pharmamarkt zu positionieren.
Die Idee, mit der „Spitzengruppe“ die Flucht nach vorn anzutreten, entstand, als Minister De Jonge seinen deutschen Kollegen Jens Spahn bei einem Arbeitsbesuch traf. Die Regierungsmitglieder fanden, dass die Zusammenarbeit über die Europäische Union manchmal sehr lange dauert. „Wir dachten: Eigentlich müssen wir beschleunigen. Also haben wir den Schritt nach vorn gemacht.“
Dass daraufhin Kritik vonseiten der Europäischen Kommission und etwa des Nachbarlandes Belgien folgte, findet De Jonge „sehr merkwürdig“. Die vier Länder betonen vielmehr, dass alle EU-Mitgliedsstaaten später mitbieten dürfen. „Wir machen das aus dem europäischen Geist heraus“, sagt De Jonge. „Man hätte auch Danke sagen können.“
Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block nennt es „unklug“, dass Länder außerhalb der Europäischen Kommission verhandeln. So zersplittert man alles wieder und schwächt jeden: die übergreifende Initiative der Kommission, aber auch die eigene Position, reagierte De Block. Die EU will selbst mit Pharmaunternehmen Verhandlungen über den Erwerb von Impfstoffen führen und reagierte negativ auf das Bündnis von Niederlande, Deutschland, Frankreich und Italien.
De Block sagt, das europäische Vorhaben gehe viel weiter als das der niederländisch-deutsch-französisch-italienischen Spitzengruppe. Die Kommission setze sich mit mehreren Herstellern an einen Tisch. „Und das wird auch nötig sein, denn es ist derzeit noch nicht vorhersehbar, wer als Erster einen Impfstoff finden wird und ob diese Firma den Impfstoff dann in ausreichender Menge produzieren kann.“ Der niederländische Minister sagte daraufhin, dass er ebenfalls mit acht anderen Herstellern im Gespräch sei.

