Indien ist einer der größten Produzenten von Eiern und Hühnerfleisch weltweit, hat jedoch durch die Corona-Pandemie einen enormen Schlag erlitten. Das Land arbeitet nun am Wiederaufbau und sucht Expertise aus dem niederländischen Geflügelsektor.
Indien ist der drittgrößte Eierproduzent der Welt (nach China und den USA) und der viertgrößte Hühnerproduzent weltweit (nach China, Brasilien und den USA). Die indische Regierung hat nun Maßnahmen angekündigt, um den Geflügelsektor wieder aufzubauen. Laut den Landwirtschaftsberatern der niederländischen Botschaft in Neu-Delhi bietet eine solche Wiederaufbauaktion Chancen für niederländisches Engagement.
Der Geflügelsektor in Indien ist groß und wächst weiter. Der Eierverbrauch pro Kopf stieg in den letzten fünf Jahren von 30 auf 68 Eier pro Jahr. Im gleichen Zeitraum stieg der Hühnerfleischkonsum von 400 Gramm auf 2,5 kg pro Jahr. In westlichen Ländern ist dieser Wert übrigens fast zehnmal so hoch. Indische Ernährungsexperten empfehlen mindestens 180 Eier und 10 kg Hühnerfleisch pro Jahr, eine Verfünffachung, was zeigt, dass der indische Geflügelmarkt großes Wachstumspotenzial birgt.
Das Netherlands Business Support Office (NBSO), die Botschaft in Neu-Delhi, die Topsector Agri & Food sowie die RVO untersuchen derzeit Möglichkeiten, gemeinsam mit Indien an der Verringerung antimikrobieller Rückstände in der Geflügelkette zu arbeiten. Zudem beobachten sie einen Bedarf an Expertise, Unterstützung und Finanzierung für Kühlketten und Kühltransporte, Kompetenzentwicklung und Schulungen, Zusatzstoffe und Vormischungen, Zuliefermaschinen sowie neue Technologien für die Instandhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe.
Der indische Geflügelsektor erlitt so heftige Rückschläge, weil zu Beginn der Coronazeit auf dem Land der Aberglaube verbreitet war, dass das Coronavirus durch Vögel und Hühner übertragen werden könne. Der Verkauf von Geflügelfleisch sank um satte 80 Prozent, und die Preise für Geflügelfleisch wurden halbiert. Mehr als eine Million kleine Geflügelhalter und über eine halbe Million Menschen, die in diesem Sektor arbeiten, verloren ihre Arbeit. Dies hatte auch Folgen für die Futtermittelerzeuger.
Geflügel ist die am besten organisierte Viehzuchtbranche Indiens mit einem Wert von 14,5 Milliarden Euro. Die Produktion von Broilerfleisch betrug 2015-16 4,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Nachfrage nach verarbeitetem Hühnerfleisch wächst jährlich um 15-20%. Eier und Hühnerfleisch wurden vor einigen Jahren noch als „Landwirtschaftsprodukte“ eingestuft, gelten heute jedoch als „Lebensmittel“. Dies ist eines der Zeichen dafür, dass sichere Nahrung zur Priorität geworden ist.
Die Endlebensmittel wie Eier und Huhn werden nicht in großen Mengen exportiert, da in Indien eine enorme Lücke zwischen Angebot und Nachfrage besteht. Zwischen Anfang des 21. Jahrhunderts und 2050 wird der Verzehr von tierischem Eiweiß in Indien voraussichtlich verdoppelt. Während der Poultry India 2019 haben niederländische Experten und die niederländische Botschaft indische Fachleute eingeladen, um über Haltungssysteme und Tierschutz zu sprechen.
Die wichtigste Herausforderung der letzten Wochen war die Logistik und der offene Verkauf in den Geschäften. Aktuell wird das logistische Problem in mindestens 60% des Landes angegangen. Es wird erwartet, dass sich der Geflügelsektor bis Ende dieses Jahres einigermaßen erholen kann, obwohl das Kapital für neue Investitionen noch einige Zeit begrenzt bleiben könnte.
Die derzeitigen Rückschläge können daher nach Ansicht der niederländischen Landwirtschaftsberater als Chance gesehen werden, neue Märkte zu schaffen und bestehende Märkte auszubauen. Es dürfte daher nicht überraschen, dass die indische Regierung kürzlich einen neuen Infrastruktur-Fonds im Wert von 2,1 Milliarden Dollar angekündigt hat, um privaten Akteuren einen Zinszuschuss von bis zu 3 Prozent für den Aufbau von Milch-, Geflügel- und Fleischverarbeitungseinheiten zu gewähren.

