In der neuen deutschen Koalition werden die beiden Ministerien für Umwelt und für Landwirtschaft doch nicht zusammengelegt. Die Lebensmittelsicherheit wird künftig dem Landwirtschaftsministerium zugeordnet. Beide Ministerien stehen unter der Leitung eines Ministers der Grünen.
Der ehemalige Parteivorsitzende Cem Özdemir wird Landwirtschaftsminister. Dies gaben die Grünen am Donnerstagabend nach stundenlangen Beratungen im Vorstand bekannt.
Das Ministerium für Umwelt und Natur kommt zu Steffi Lemke, einer der Gründerinnen von Bündnis 90/Die Grünen. Zuvor war darüber spekuliert worden, dass sie die Leitung dieser beiden zusammengelegten Ministerien übernehmen würde. Gleichzeitig wird es ein eigenständiges Ministerium für die Entwicklung des ländlichen Raums geben, das wahrscheinlich an die ehemalige Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) geht.
Özdemir wird der erste deutsche Minister mit türkischem Migrationshintergrund. Er war zuvor Mitglied des Bundestags und saß im Europäischen Parlament. Özdemir war von 2008 bis 2018 Bundesvorsitzender der Grünen und erzielte bei den Bundestagswahlen die meisten Stimmen aller erfolgreichen Direktkandidaten der Grünen. Er verfügt über wenig Erfahrung in Agrardossiers, gilt jedoch als erfahrener Verwalter und Stratege.
Der Landwirtschaftsabschnitt der „Ampel-Koalition“ aus SPD, Grünen und FDP enthält unter anderem Vorschläge für den Ausstieg aus Glyphosat, weniger chemische Mittel in der Landwirtschaft, strengere Regeln zum Tierschutz und die Einführung eines Fleisch-Lebensmitteletiketts.
Bereits zuvor war bekannt, dass der derzeitige Grünen-Vorsitzende Robert Habeck Vizekanzler wird und Minister für Klima und Energie, und die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock, wie erwartet, Außenministerin wird. Anne Spiegel, die derzeit noch Klimaministerin im Bundesland Rheinland-Pfalz ist, wird Familienministerin. Die aktuelle Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth wird Staatssekretärin für Kultur und Medien.
Nach Berichten in den deutschen Medien gab es innerhalb der Grünen zu dieser Besetzung eine interne und heftige Debatte zwischen „Realisten“ und „linksradikalen“ Kräften. Ab Freitag können die über 125.000 Parteimitglieder über den Vorschlag für ein Regierungsabkommen und das Ministerteam abstimmen.

